230 Arbeitsplätze in Gefahr: Deutschlands größte Fliesenfabrik erneut insolvent
Deutschlands größte Fliesenfabrik erneut insolvent

Deutschlands größte Fliesenfabrik kämpft erneut ums Überleben

Die deutsche Bauindustrie erleidet einen weiteren schweren Schlag. In Leisnig in Sachsen steht die größte Fliesenfabrik des Landes erneut vor einer ungewissen Zukunft. Rund 230 Mitarbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze, nachdem das Unternehmen am Freitag Insolvenz angemeldet hat.

Schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die schwache Baukonjunktur und die stark gestiegenen Energiepreise haben die Panariagroup Deutschland GmbH in Zahlungsschwierigkeiten gebracht. Das Werk mit einer Fläche von etwa 16 Hektar und einer Jahreskapazität von 6,2 Millionen Quadratmetern keramischer Fliesen musste beim Amtsgericht Chemnitz Insolvenz anmelden.

Ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Christian Heintze von der Rechtsanwaltsgesellschaft BBL Brockdorff erklärte: „Der Fliesenhersteller Panariagroup Deutschland GmbH nutzt ein Insolvenzverfahren, um seine Umstrukturierung abzuschließen. Das Unternehmen strebt einen Zusammenschluss mit einem Investor an.“

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Bereits zweite Insolvenz innerhalb weniger Jahre

Bereits 2023 war das Werk in Leisnig pleite. Im Jahr 2024 übernahm die italienische Panariagroup Industrie Ceramiche S.p.A. mit Sitz in Fiorano Modenese bei Bologna den Standort von der damals insolventen Steuler Gruppe. Die Muttergesellschaft beschäftigt weltweit mehr als 1800 Mitarbeiter und betreibt neben dem Stammwerk in Leisnig weitere Standorte in Bremen und Mühlacker bei Karlsruhe.

Doch nun steckt auch die italienische Gruppe aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage in Schwierigkeiten. Das Unternehmen stellt vor allem keramische Fliesen für Böden und Bäder unter Marken wie Kerateam, Steuler Design und Grohn her. Die Kunden reichen von großen Immobilien-Bauträgern bis hin zu Endkunden im mittleren und gehobenen Segment.

Dreimonatige Sicherung des Geschäftsbetriebs

Der vorläufige Insolvenzverwalter hat eine dreimonatige Sicherung des Geschäftsbetriebs erreicht. In dieser Zeit sollen Optionen für eine dauerhafte Lösung geprüft werden. „Der Geschäftsbetrieb ist jetzt für drei Monate gesichert. Diesen Zeitraum wird der vorläufige Insolvenzverwalter nutzen, um die Optionen für eine dauerhafte Lösung zu prüfen. Das Unternehmen hat bereits Vorarbeit geleistet und strebt eine strategische Partnerschaft mit einem Investor an“, so der Sprecher weiter.

Die Brennöfen sind derzeit noch in Betrieb, Aufträge und Bestellungen laufen vorerst weiter. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind bis Ende Juni über das Insolvenzgeld gesichert. Das Insolvenzverfahren soll es potenziellen Investoren ermöglichen, das Unternehmen ohne Schulden zu übernehmen und umzustrukturieren.

Region Leisnig besonders betroffen

Für die etwa 8000 Einwohner zählende Stadt Leisnig bedeutet die erneute Insolvenz der Fliesenfabrik eine erhebliche Belastung. Der Standort gilt als Schwergewicht der Bauindustrie in der Region. Die Risse in der deutschen Konjunktur zeigen sich hier besonders deutlich und machen vor keiner Branche mehr halt.

Die Mitarbeiter wurden am Freitag über die kritische Lage informiert. Nun hoffen alle Beteiligten auf eine schnelle Lösung mit einem Investor, der den Standort und die Arbeitsplätze langfristig sichern kann. Die kommenden drei Monate werden entscheidend sein für die Zukunft der größten Fliesenfabrik Deutschlands.

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