Insolvenzwelle in Sachsen-Anhalt: Zahl der Firmenpleiten steigt um ein Viertel
Im vergangenen Jahr hat sich die wirtschaftliche Lage für viele Unternehmen in Sachsen-Anhalt dramatisch verschärft. Nach aktuellen Daten des Statistischen Landesamtes in Halle mussten 436 Firmen Insolvenzanträge bei den zuständigen Amtsgerichten einreichen. Dies entspricht einem Anstieg um rund 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2024.
Branchen im Fokus: Baugewerbe und Gastronomie besonders betroffen
Die meisten Firmenpleiten wurden im Baugewerbe registriert, gefolgt vom Gastgewerbe, dem Handel und Autowerkstätten. Einzig im Bereich der Dienstleistungen gab es eine positive Entwicklung: Hier hat sich die Zahl der Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert.
Mit dem aktuellen Niveau nähern sich die Insolvenzzahlen fast wieder dem Vor-Corona-Niveau von 2019 an, als 457 Anträge gezählt wurden. Den historischen Höchststand verzeichnete Sachsen-Anhalt jedoch im Jahr 2009 in Folge der Finanzkrise mit 1.005 Unternehmensinsolvenzen.
IHK-Präsident warnt vor drohender Deindustrialisierung
Sascha Gläßer, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau, äußerte sich besorgt über die Entwicklung. „Die Region wird durch die aktuelle Wirtschaftskrise besonders hart getroffen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass Deutschland – und insbesondere seine Industrieregionen – unter massiv gestiegenen Standortkosten leiden.“
Gläßer nannte als Hauptprobleme hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten, eine hohe Steuerlast und vor allem eine überbordende Bürokratie. „Wir sehen derzeit keine durchgreifenden Reformen, die die zentralen Probleme der hohen Standortkosten wirksam adressieren“, so der IHK-Chef weiter. Er forderte eine umfassende Reformagenda in der Wirtschaftspolitik von Bund und EU und warnte: „Das muss schnell gehen, sonst ist die Deindustrialisierung nicht mehr aufzuhalten.“
Bundesweite Entwicklung: Firmenpleiten auf 20-Jahres-Hoch
Die Probleme beschränken sich nicht auf Sachsen-Anhalt. Bundesweit ist die Zahl der Firmenpleiten im vergangenen Jahr nach Auswertungen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) auf ein 20-Jahres-Hoch gestiegen. Als Gründe werden genannt:
- Nachholeffekte aus der Corona-Zeit
- Die aktuelle Zinspolitik
- Die schwierige allgemeine wirtschaftliche Entwicklung
Privatinsolvenzen ebenfalls im Aufwärtstrend
Die Krise betrifft nicht nur Unternehmen. Auch die Anzahl der Privatinsolvenzen in Sachsen-Anhalt stieg im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent auf 2.468 Anträge. Unter Selbstständigen wurden 518 Insolvenzanträge erfasst, was einem Anstieg um 3,6 Prozent entspricht.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen die prekäre wirtschaftliche Situation in der Region und unterstreichen die Dringlichkeit der von der IHK geforderten Reformen.



