Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Kearney zeigt, dass globale Konzerne Deutschland als Investitionsstandort wieder deutlich optimistischer bewerten. Obwohl deutsche Unternehmen unter dem heimischen Reformstau leiden und ihre Investitionen drosseln, haben internationale Manager offenbar ein ganz anderes Bild vom Standort. Deutschland belegt im Ranking der attraktivsten Investitionsziele unverändert den fünften Platz, doch der Ausblick für die kommenden Jahre verbessert sich erheblich.
Optimismus-Indikator steigt deutlich
Laut der Kearney-Umfrage unter Topmanagern von mehr als 500 Großunternehmen weltweit klettert der sogenannte Optimismus-Indikator für Deutschland auf 39 Prozent. Das ist ein Anstieg um zehn Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. 48 Prozent der Befragten blicken optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, während nur neun Prozent pessimistisch sind. Damit liegt Deutschland im globalen Optimismus-Ranking auf Platz drei, hinter den Vereinigten Arabischen Emiraten (42 Prozent) und Japan (41 Prozent).
Gründe für den Optimismus
Die befragten Manager begründen ihre positive Einschätzung vor allem mit dem Wachstum der deutschen Wirtschaft. Nach zwei Jahren Rezession wuchs Deutschland 2025 dank höherer Staats- und Konsumausgaben um 0,4 Prozent. Zwar haben sich die Aussichten aufgrund des Kriegs im Iran und gestiegener Energiepreise zuletzt wieder eingetrübt, dennoch loben die internationalen Unternehmen die Innovationskraft des Standorts. 32 Prozent der Befragten sehen darin die stärkste Standortqualität.
USA verlieren an Attraktivität
Großer Verlierer im Optimismus-Ranking sind die USA. Noch vor einem Jahr, nach dem Amtsantritt von Donald Trump, hatten internationale Investoren auf kein Land zuversichtlicher geblickt. In der aktuellen Umfrage sinken die USA beim Ausblick auf die kommenden Jahre auf Platz 15 ab. Asien stellt erstmals seit 13 Jahren den größten Anteil unter den Top 25 der attraktivsten Standorte.
Bedeutung der Industriepolitik
Die befragten Unternehmen sehen in der technologischen Innovationskraft den wichtigsten Einzelfaktor für Investitionsentscheidungen. Auch der Industriepolitik messen die Manager zunehmende Bedeutung bei. Deutschland brauche deshalb verlässliche Rahmenbedingungen und eine klare Industriepolitik, um sich im schärferen Wettbewerb insbesondere mit asiatischen Staaten zu behaupten, sagt Teresa Schawe, Partnerin und Managing Director bei Kearney.
Ausländische Direktinvestitionen steigen stark
Die Kearney-Umfrage bestätigt einen Trend, der sich bereits in den Zahlen des vergangenen Jahres widerspiegelt. 2025 steigerten ausländische Unternehmen ihre Investitionen in Deutschland gegenüber dem Vorjahr von 43 auf 96 Milliarden Euro. Die ausländischen Direktinvestitionen übertrafen damit die Investitionen deutscher Unternehmen im Ausland um rund zehn Milliarden Euro. Dies zeigt, dass internationale Investoren Deutschland trotz aller Herausforderungen als attraktiven Standort betrachten.



