Brandenburg setzt verstärkt auf Computerspiele im Unterricht: Medienkompetenz im Fokus
In Brandenburgs Schulen gewinnt der Einsatz von Computerspielen im Unterricht zunehmend an Bedeutung. Der Bildungsausschuss des Landtags in Potsdam befasste sich kürzlich mit diesem Thema und diskutierte die wachsende Integration digitaler Spiele in den Lehrplan.
Projekttage fördern Medienkompetenz und Einblicke in die Games-Branche
Im vergangenen Jahr nahmen mehr als 500 Schülerinnen und Schüler an Games-Projekttagen der Stiftung Digitale Spielkultur teil, die an 34 Brandenburger Schulen angeboten wurden. Nandita Wegehaupt, Geschäftsführerin der Stiftung, berichtete im Ausschuss, dass ihre Organisation vom Verband der deutschen Games-Branche getragen wird und sich zum Ziel gesetzt hat, die Potenziale von Games hervorzuheben.
Wegehaupt betonte, dass Computerspiele ein fester Bestandteil des Alltags in Deutschland sind: Bundesweit spielen etwa 37,5 Millionen Menschen, wobei über 80 Prozent davon Erwachsene sind. „Wir haben es mit einem Medium zu tun, das ganz besondere Eigenheiten hat: Wenn Menschen spielen, handeln sie selbst“, erklärte sie. „Sie wechseln die Perspektive, treffen Entscheidungen, lernen komplexe Regelsysteme kennen und tauchen immersiv in die eigene Geschichte ein.“ Durch die Projekttage werde den Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz vermittelt und sie erhielten Einblicke hinter die Kulissen der Games-Branche.
Pädagogische Spiele und soziale Aspekte im Vordergrund
Die Geschäftsführerin wies darauf hin, dass Computerspiele oft in sozialen Kontexten stattfinden und nicht isoliert gespielt werden. „Spiele sind ein Medium, das oft mit anderen Kindern und Jugendlichen stattfindet“, sagte Wegehaupt. „Das ist ein digitaler Sozialraum, in den die Jugendlichen hereinwachsen.“ Sie betonte, dass Spiele es ermöglichen, moralische Konflikte auszuleben, ohne sie im echten Leben durchführen zu müssen, wobei eine intensive pädagogische Begleitung entscheidend sei.
Der Medienwissenschaftler Christian Huberts ergänzte, dass an den Schulen vor allem Spiele mit pädagogischem Hintergrund eingesetzt werden. „Die meisten Spiele, die wir nutzen, sind nicht die, die man im Alltag spielt“, erklärte Huberts. Beispielsweise werde das Spiel „Spuren auf Papier“ verwendet, das von der NS-Gedenkstätte Wehnen in Niedersachsen entwickelt wurde, um eine Auseinandersetzung mit den Krankenmorden des Nationalsozialismus zu fördern. „Es sind eher Spiele, die eine spannende Handlung haben.“ Huberts betonte, dass die Schüler es spannend finden, wenn ihre Lebenswelt im Unterricht ernst genommen wird, und sie gut damit umgehen können, auf eine andere Art zu spielen.
Kinder- und Jugendschutz als wichtiger Aspekt
Auf Nachfrage von Abgeordneten wie Melanie Matzies (parteilos), Falk Peschel (BSW) oder Nicole Walter-Mundt (CDU) hoben die Vertreter der Stiftung hervor, dass der Kinder- und Jugendschutz bei den Projekttagen eine zentrale Rolle spielt. Peschel merkte im Ausschuss an, „Es ist nun einmal so, dass man beim Spielen im Alltag nicht nur seine Freunde trifft“, und unterstrich damit die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen in digitalen Räumen.
Insgesamt zeigt die Diskussion im Bildungsausschuss, dass Brandenburg den Einsatz von Computerspielen im Unterricht als Chance zur Förderung von Medienkompetenz und sozialem Lernen sieht, während gleichzeitig pädagogische Begleitung und Jugendschutz gewährleistet werden müssen.



