GEW fordert flächendeckende Schulsozialarbeit in Sachsen bis 2032 - Nur 40 Prozent der Schulen haben bisher Sozialarbeiter
GEW fordert Schulsozialarbeit an allen Schulen in Sachsen bis 2032

GEW fordert flächendeckende Schulsozialarbeit in Sachsen bis 2032

Die Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat eine deutliche Verbesserung der Schulsozialarbeit in Sachsen gefordert. Bis zum Jahr 2032 soll an jeder Schule im Freistaat eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter zur Verfügung stehen. Aktuell verfügen nur etwa 40 Prozent der sächsischen Schulen über dieses wichtige Unterstützungsangebot, wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht.

Studie zeigt Sachsen im Mittelfeld bei Schulsozialarbeit

Eine bundesweite Vergleichsstudie zur Situation der Schulsozialarbeit platziert Sachsen im Mittelfeld der Bundesländer. Studienleiter Lars Bieringer von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes sieht den Freistaat zwar auf einem guten Weg, identifiziert aber gleichzeitig deutlichen Verbesserungsbedarf. „Die Schulsozialarbeit befindet sich in Sachsen in einer positiven Entwicklung, doch es gibt noch wichtige Stellschrauben zur Optimierung“, so Bieringer.

Psychische Belastungen bei Schülern nehmen zu

GEW-Landeschef Burkhard Naumann betont die dringende Notwendigkeit des Ausbaus: „Die psychische Belastung bei Schülerinnen und Schülern steigt enorm, besonders in Familien mit schwacher Einkommenssituation. Gleichzeitig erreichen die Zahlen von Schulabbrechern und Schulverweigerern besorgniserregende Höchststände.“ Die Schulen seien täglich mit diesen Problemen konfrontiert, während der Ausbau der Schulsozialarbeit seit Jahren stagniere.

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Aktuelle Zahlen zeigen erhebliche Unterversorgung

Nach Angaben von Wolfgang Müller, Bildungsreferent der Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit (LAG), haben seit 2019 nur etwa 40 Prozent der sächsischen Schulen eine Sozialarbeiterin oder einen Sozialarbeiter. Gesetzlich vorgeschrieben ist dies lediglich an staatlichen Oberschulen und Gemeinschaftsschulen.

Die aktuelle Situation stellt sich wie folgt dar:

  • Für 417.000 Schüler an 1.575 Schulen gibt es 640 Vollzeitstellen
  • Diese werden von 750 Sozialarbeitern besetzt
  • Rechnerisch kommen damit 651 Schüler auf eine Stelle
  • Viele Schulen haben gar keinen Sozialarbeiter

Finanzielle Herausforderungen und Lösungsansätze

Ein flächendeckender Ausbau bis 2032 würde nach Müllers Berechnungen Kosten von etwa 100 Millionen Euro verursachen. Bei einem Landesanteil von 90 Prozent wären dies für den Freistaat rund 90 Millionen Euro. Aktuell gibt Sachsen etwa 37,5 Millionen Euro pro Jahr für Schulsozialarbeit aus – eine Summe, die im Vergleich zum Gesamtetat des Kultusministeriums als verschwindend gering eingestuft wird.

Bieringer empfiehlt Sachsen konkrete Maßnahmen:

  1. Flächendeckender Ausbau von Teamstrukturen
  2. Fachliche Begleitung und Weiterqualifizierung junger Fachkräfte
  3. Langfristige finanzielle und strukturelle Absicherung bestehender Trägerstrukturen

Bundesweiter Vergleich und Arbeitsbedingungen

Bundesweit bieten nur Berlin und mit Einschränkungen das Saarland flächendeckende Schulsozialarbeit an. In Sachsen gaben in der Studie 85,4 Prozent der befragten Sozialarbeiter an, einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu haben. Gleichzeitig dachte knapp die Hälfte (47,4 Prozent) im vergangenen Jahr über einen Berufswechsel nach. 67,6 Prozent arbeiten als Einzelkämpfer, während sich knapp 60 Prozent von ihrem Träger gut unterstützt fühlen.

Die Gewerkschaft GEW und die Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit fordern gemeinsam einen stufenweisen Ausbau des Angebotes, um bis 2032 an jeder sächsischen Schule professionelle Unterstützung für Schüler bereitzustellen. Angesichts steigender psychischer Belastungen und zunehmender Schulprobleme wird dieser Ausbau als dringend notwendig erachtet.

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