Sachsen-Anhalt reformiert Qualifizierung für Seiteneinsteiger im Lehrerberuf
Neue Regeln für Seiteneinsteiger an Schulen in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt startet Reform für Seiteneinsteiger im Schuldienst

Die Qualifizierung von Seiteneinsteigern für den Lehrerberuf wird in Sachsen-Anhalt grundlegend neu geregelt. Das Bildungsministerium hat ein umfassendes Paket vorgestellt, das darauf abzielt, die pädagogische Ausbildung zu verbessern und die hohe Fluktuation unter den neuen Lehrkräften zu reduzieren.

Wöchentlicher Pflichttag und strukturiertes Onboarding

Kern der Reform ist die Einführung eines verbindlichen Qualifizierungstages pro Woche für alle neu eingestellten Seiteneinsteiger. Über einen Zeitraum von einem Jahr sollen diese gezielt pädagogische, didaktische und schulrechtliche Kompetenzen erwerben. Den Auftakt bildet ein zweiwöchiges Onboarding am Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung.

Bildungsminister Jan Riedel (CDU) betonte: „Unser Ziel ist es, Lehrkräfte im Seiteneinstieg im ersten Jahr ihrer Tätigkeit nachhaltig zu begleiten. Nur so können wir sie langfristig im System halten.“ Der Minister räumte ein, dass in der Vergangenheit vermehrt negative Rückmeldungen von Seiteneinsteigern eingegangen seien, die ihre Unzufriedenheit deutlich gemacht hätten.

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Hohe Ausstiegsquote und systemische Abhängigkeit

Die Dringlichkeit der Reform wird durch alarmierende Zahlen unterstrichen: Etwa ein Drittel der Seiteneinsteiger steigt im ersten Jahr wieder aus dem Schuldienst aus. Gleichzeitig sind die Schulen in Sachsen-Anhalt aufgrund des akuten Lehrermangels stark auf diese Personengruppe angewiesen.

Ende 2025 unterrichteten rund 2.500 Seiteneinsteiger an den Schulen des Landes, was etwa 15 Prozent der insgesamt 16.500 Lehrerinnen und Lehrer entspricht. Diese hohe Abhängigkeit macht eine effektive Qualifizierung und Integration umso wichtiger.

Gewerkschaft begrüßt Reform mit Vorbehalten

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht die Neuausrichtung grundsätzlich positiv. Landesvorsitzende Eva Gerth erklärte: „Prinzipiell ist das eine gute Idee. Der Weg ist richtig, da die Qualifizierung durch diese Anpassungen vermutlich strukturierter verlaufen wird.“

Allerdings äußerte die Gewerkschaft auch Bedenken:

  • Es handle sich zunächst um eine Pilotphase
  • Das Beteiligungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen
  • Die Größe der Seminargruppen sei noch unklar
  • Es bestehen weitere Unklarheiten in der Umsetzung

Gerth kritisierte zudem die Eile des Ministeriums bei der Umsetzung der Maßnahmen. Dennoch bleibe die grundsätzliche Ausrichtung der Reform begrüßenswert, da sie eine systematischere Begleitung der Seiteneinsteiger ermögliche.

Langfristige Perspektiven und Herausforderungen

Die Reform soll nicht nur die Qualifikation der Seiteneinsteiger verbessern, sondern auch ihre Bindung an den Schuldienst stärken. Durch die strukturierte Begleitung im ersten Jahr erhofft sich das Ministerium eine nachhaltige Integration in das Schulsystem.

Die Maßnahmen kommen zu einem kritischen Zeitpunkt, da der Lehrermangel in Sachsen-Anhalt weiterhin akut ist und die Schulen auf die Kompetenzen der Seiteneinsteiger angewiesen bleiben. Die erfolgreiche Umsetzung der Reform könnte daher weitreichende Auswirkungen auf die Bildungsqualität im Land haben.

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