Ricarda Lang meistert Jura-Prüfung trotz politischer Verpflichtungen
Die ehemalige Grünen-Chefin Ricarda Lang (32) hat am Mittwochvormittag ihre erste juristische Klausur seit acht Jahren erfolgreich absolviert. Die Politikerin, die seit vergangenem Herbst für den „Master of Laws“ an der Fernuniversität Hagen eingeschrieben ist, pendelte direkt im Anschluss in den Bundestag weiter. Auf dem Kurznachrichtendienst X teilte sie ein Foto mit der Überschrift: „Mein Gesicht nach der ersten durchgestandenen Jura-Klausur seit 8 Jahren“.
Doppelbelastung zwischen Politik und Studium
Lang studiert berufsbegleitend neben ihrem Bundestagsmandat. Die Wochen vor der Prüfung am 8. März seien besonders intensiv gewesen, da sie parallel im baden-württembergischen Wahlkampf unterwegs war. „Zeitlich ist das Ganze natürlich eine Herausforderung und hat in den letzten Wochen viel Lernen im Zug zwischen Bundestagsausschuss und Wahlkampftermin bedeutet“, schildert die Sozialpolitikerin. Dennoch betont sie: „Ich will mir auch selbst beweisen, dass ich das durchziehe.“
Verwaltungsrechtlicher Fall als Prüfungsaufgabe
Die Klausur behandelte das öffentliche Wirtschaftsrecht – ein Thema, das Lang gegenüber BILD als „trocken, aber wichtig“ beschreibt. Die konkrete Prüfungsaufgabe, die sie auf X veröffentlichte, bezog sich auf die Zulassung eines Fahrgeschäftbetreibers zum Frühjahrsmarkt in Hagen. „Es ging um die Zulassung zu einem Frühjahrsmarkt für den Betreiber eines Fahrgeschäftes“, erläutert Lang, „ein klassischer verwaltungsrechtlicher Fall.“
Zweiter Anlauf nach früherem Studienabbruch
Hintergrund ist, dass Lang ihr erstes Jura-Studium 2019 nach sieben Jahren ohne Abschluss pausierte und dafür häufig kritisiert wurde – unter anderem von CSU-Chef Markus Söder. Im März 2025 startete sie einen zweiten Versuch an der Berliner Humboldt-Universität und schloss im Herbst erfolgreich ihren Bachelor ab. Seitdem setzt sie ihr Studium mit dem Masterprogramm an der Fernuniversität Hagen fort.
Lerntipps und Alltagsbewältigung
Auf die Frage nach ihrer Prüfungsvorbereitung verrät Lang: „Vor allem viel Wasser trinken.“ Zudem rät sie, nicht bis zur letzten Minute zu lernen: „Am Abend davor nicht die ganze Zeit verrückt machen oder bis in die Nacht hinein über den Karteikarten sitzen, sondern ein bisschen eher darauf achten, dass man ausgeschlafen ist.“ Allerdings gesteht sie ein, ihren eigenen Rat nicht immer befolgt zu haben, da sie am Vorabend der Prüfung „noch eine Veranstaltung in Brandenburg“ absolvierte.
Fernstudium als Chance für Durchlässigkeit
Die Politikerin schätzt das Fernstudium besonders: „Unter meinen Kommilitonen sind viele Menschen, die schon lange arbeiten, die Kinder haben, die eine Ausbildung gemacht haben oder auf dem zweiten Weg studieren. Das Fernstudium stärkt also die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems und damit auch die Chancengerechtigkeit.“ Für Lang ist diese Form des Lernens eine ideale Möglichkeit, Beruf und akademische Weiterbildung zu vereinen.



