Schüler in Mecklenburg-Vorpommern fordern bessere Vorbereitung auf KI-Zeitalter
Die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern bereiten ihre Schülerinnen und Schüler nach einer aktuellen Umfrage des Landesschülerrates unzureichend auf ein Leben mit Künstlicher Intelligenz vor. Die repräsentative Erhebung unter rund 1.200 Lernenden ab Klasse sieben offenbart eine deutliche Diskrepanz zwischen der alltäglichen Nutzung von KI-Tools und der schulischen Vorbereitung darauf.
Umfrage zeigt massive Nutzung bei gleichzeitiger Unsicherheit
Vier von fünf befragten Schülerinnen und Schülern gaben an, KI-Tools zumindest gelegentlich für schulische Zwecke zu nutzen. Lediglich 15 Prozent der Teilnehmenden erklärten, niemals auf KI-Anwendungen zurückzugreifen. Besonders alarmierend ist jedoch, dass sich 56 Prozent der Befragten kaum bis gar nicht durch ihre Schule auf den Umgang mit Künstlicher Intelligenz vorbereitet fühlen.
Der Vorsitzende des Landesschülerrates, Felix Wizowsky, präsentierte diese Ergebnisse in Schwerin und machte deutlich: „Viele Schüler nutzen KI-Tools im Geheimen, weil sie fürchten, bei offener Angabe der Nutzung schlechtere Noten zu erhalten.“ Diese Situation verdeutlicht die dringende Notwendigkeit einer systematischen Integration von KI-Kompetenzen in den Schulalltag.
Landesschülerrat fordert grundlegende Reformen
Der Landesschülerrat positioniert sich klar: „Wenn Schule ihrem Bildungsauftrag gerecht werden will, darf sie bei einer der zentralen Zukunftstechnologien nicht hinter der Lebensrealität der Lernenden zurückbleiben.“ Die Schülervertretung fordert, Künstliche Intelligenz als selbstverständlichen Bestandteil des gesamten Schulalltags zu verankern – nicht als Randthema, sondern als Querschnittskompetenz, die in allen Fächern mitgedacht und angewendet wird.
Wizowsky betont die Dringlichkeit einer Erneuerung des Informatikunterrichts: „Die Schüler müssen dort fundiertes Wissen über Funktionsweisen, Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz erwerben können.“ Mehr als die Hälfte der Befragten äußerte in der Umfrage zudem Bedenken bezüglich der Nutzung persönlicher Daten durch KI-Systeme, was die Notwendigkeit kritischer Medienkompetenz unterstreicht.
Ministerium verweist auf bestehende Maßnahmen
Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) erklärt dazu, dass Mecklenburg-Vorpommern verstärkt auf einen kompetenten und reflektierten Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Schulalltag setze. KI werde bereits zur individuellen Lernförderung eingesetzt und unterstütze Lehrkräfte bei der Erstellung von Unterrichtsmaterialien.
Für Lehrkräfte stehen Fortbildungen und eine Handreichung mit dem Titel „Gemeinsam die Welt der generativen KI-Systeme erkunden“ zur Verfügung. Diese klärt grundlegend über KI-Funktionalitäten auf und gibt praktische Hinweise zur Unterrichtsvorbereitung sowie zur Erstellung von Aufgaben, die weniger anfällig für rein KI-basierte Bearbeitung sind.
Kritik an unzureichenden Maßnahmen
Landesschülerratsvorsitzender Wizowsky bezeichnet die bestehenden Maßnahmen als nicht ausreichend und nahezu wirkungslos. „Die Umfrage zeigt deutlich, dass ein Kurswechsel seitens des Ministeriums notwendig ist“, so Wizowsky. Die entscheidende Frage sei nicht mehr, ob KI unseren Alltag präge, sondern ob Schule die Kompetenzen vermittle, damit junge Menschen diese Entwicklung aktiv mitgestalten könnten.
Die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern eine grundlegende Vorbereitung auf das Leben mit Künstlicher Intelligenz erwarten – eine Erwartungshaltung, die das derzeitige schulische Angebot noch nicht erfüllen kann. Der Landesschülerrat fordert daher eine systematische Integration von KI-Kompetenzen in alle Fächer und eine grundlegende Modernisierung der informatischen Bildung.



