Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“: Schüler aus Rövershagen gewinnen mit Lernspiel zur Shoah
Die AG Kriegsgräber der Europaschule Rövershagen im Landkreis Rostock hat mit ihrem Projekt „Zachor Eva - Erinnere dich, Eva“ einen bedeutenden Erfolg erzielt. Das innovative Lernspiel, das sich mit der Lebensgeschichte der Shoah-Überlebenden Eva Umlauf beschäftigt, wurde vom Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“ als herausragendes Demokratieprojekt ausgezeichnet. Die mitwirkende Neuntklässlerin Ida Willert äußerte sich begeistert: „Ich persönlich freue mich sehr über die Auszeichnung, weil einem damit noch einmal mehr bewusst gemacht wird, dass es Menschen gibt, die sich für die Arbeit, die wir als AG machen, interessieren und diese wertschätzen.“
Spielerisch Wissen über die Shoah erweitern
Im Lernspiel „Zachor Eva“ durchlaufen die Spieler zwölf Stationen zur Biografie von Eva Umlauf. Die Shoah, ein hebräischer Begriff für den systematischen Völkermord an den europäischen Juden während des Nationalsozialismus, bedeutet „Katastrophe“ oder „Untergang“. Innerhalb des Spiels müssen Fragen beantwortet werden, die über QR-Codes zu den Antworten führen. Zusätzlich gibt es Zusatzfragen zum Judentum und dazu, wie man sich aktiv gegen Antisemitismus und für eine gelungene Erinnerungskultur einsetzen kann.
Am Ende des Spiels, wenn die Spieler das Feld „Zachor“ erreicht haben, tauschen sie sich in einem Gruppengespräch darüber aus, was sie nun über Eva wissen, warum das Erinnern an die Shoah notwendig ist und wie dies in Zukunft weiter gelingen kann. Die Spielsteine, eine Eigenproduktion, entstanden im 3D-Drucker der Schule und bilden die Silhouetten von Eva Umlauf und den beteiligten Jugendlichen ab.
Vielseitige Projektentwicklung
Für das Projekt „Zachor Eva“ entwickelten die Schüler nach wiederholtem Besuch von Eva Umlauf bereits eine Ausstellung, einen Flyer und einen Podcast. Dann entstand die Idee für das gleichnamige Lernspiel, wie Lehrerin Petra Klawitter berichtet, die die AG Kriegsgräber seit 1999 leitet. „Wir denken bei unseren Projekten immer wieder darüber nach, wie wir unsere Projektergebnisse vielen Jugendlichen über verschiedene Methoden zugänglich machen können“, erklärt sie. Dies geschieht beispielsweise über das Lesen, Hören, Anfassen und die Nutzung von QR-Codes auf digitalem Weg.
Zudem kommen die Nutzer des Lernspiels miteinander ins Gespräch, „erweitern ihr Wissen über die Shoah und denken darüber nach, warum es heute notwendig ist, sich über Ursachen und Folgen von Krieg und Gewalt auseinanderzusetzen“. Das Spiel ist geeignet für Jungen und Mädchen ab 14 Jahren. Auch Petra Klawitter zeigt sich begeistert von der Auszeichnung: „Ich muss einfach zu ‚meiner‛ AG sagen: Die Jungen und Mädchen sind toll!“
Ein herausragendes Projekt unter vielen
In der Ausschreibungsrunde 2025 beteiligten sich bundesweit 18.514 junge Menschen in 485 Projekten am Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“. Das Projekt der Rövershäger Schüler „wurde von einer unabhängigen Jury als eines von 50 besonders beispielgebenden Projekten ausgewählt“, so das Wettbewerbsteam. Die ausgezeichneten Gruppen nehmen am Junify Demokratiefestival in Berlin teil, wo sie drei Tage voller Workshops, Austausch und Vernetzung mit anderen engagierten jungen Menschen aus ganz Deutschland erleben. Darüber hinaus werden weitere Geld- und Sachpreise vergeben.
Laut Lehrerin Petra Klawitter wird es allerdings schwer, die Mitwirkenden auszuwählen, die mit nach Berlin fahren dürfen. Denn nicht nur die Neuntklässlerin Ida Willert habe das Projekt maßgeblich mitbestimmt, auch vier Mädchen aus der sechsten Klasse arbeiteten daran mit. „Und in einer Phase haben alle AG-Mitglieder an dem Projekt mitgewirkt, als es um die Gestaltung des Spiels insgesamt ging – Spielbrettgestaltung, Idee zu den Spielfiguren, Design“, so die Lehrerin. Für die Auszeichnungsfahrt gebe es aber nur zwei Plätze.
Über den Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“
Der Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“ ist ein Kinder- und Jugendwettbewerb zur Förderung der demokratischen Kultur. Er wurde 1990 gegründet und zeichnet Demokratieprojekte aller Art aus dem schulischen und außerschulischen Bereich aus. „Ziel des Wettbewerbes ist die Würdigung, Sichtbarmachung, Vernetzung und das Empowerment der Projekte“, heißt es auf der Website des Bundeswettbewerbs. Dieses Engagement zeigt, wie junge Menschen durch kreative Ansätze wie das Lernspiel „Zachor Eva“ aktiv zur Erinnerungskultur und Demokratiebildung beitragen.



