Schüler in Mecklenburg-Vorpommern nutzen KI im Schulalltag, fühlen sich aber unvorbereitet
Der Landesschülerrat von Mecklenburg-Vorpommern hat mit einer landesweiten Umfrage zum Thema Künstliche Intelligenz im Schulalltag Neuland betreten. Die Ergebnisse, die am Dienstag in Schwerin präsentiert wurden, zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen der Nutzung von KI-Tools durch Schüler und der Vorbereitung durch die Schulen.
Hohe Nutzung, geringe schulische Vorbereitung
Neun von zehn Schülern der Sekundarstufen (Klassen sieben bis zwölf) gaben an, zumindest ein wenig (42,6 Prozent) oder sehr (49,3 Prozent) vertraut mit dem Begriff Künstliche Intelligenz zu sein. Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer nutzt gelegentlich KI-Tools für schulische Zwecke, weitere 29,3 Prozent setzen sie häufig ein.
Doch das dafür erforderliche Wissen haben sich die Schüler häufig selbst angeeignet: 56 Prozent der Befragten fühlen sich durch die Schule kaum bis gar nicht auf den Umgang mit KI vorbereitet. Nicht einmal jeder zehnte Schüler (9,5 Prozent) hat das Gefühl, im Unterricht alles gelernt zu haben, was er zur Nutzung von KI braucht.
Informatikunterricht erhält schlechte Noten
Dem Informatikunterricht stellt mehr als jeder vierte Schüler (28,8 Prozent) ein schlechtes Zeugnis aus. Allerdings hat dieses Fach auch nur bei knapp 15 Prozent der befragten Schüler eine hohe Priorität. „Die Realität ist, Schülerinnen und Schüler nutzen KI längst selbstverständlich, aber sie werden dabei weitgehend allein gelassen“, erklärt der Vorsitzende des Landesschülerrates, Felix Wizowsky.
Die Umfrage, an der sich Ende 2025 mehr als 1200 Schüler aus allen Schularten in Mecklenburg-Vorpommern beteiligt hatten, offenbart nach Ansicht der Schülervertreter eine Riesen-Baustelle. Viele Schüler würden momentan lieber verschweigen, dass sie KI nutzen – aus Sorge, deshalb benachteiligt zu werden.
Lehrplan von 2019 erwähnt KI nicht
Ein zentrales Problem ist der veraltete Lehrplan. Seit dem Schuljahr 2019/2020 steht an allen weiterführenden Schulen ab der Jahrgangsstufe 5 das einstündige Unterrichtsfach „Informatik und Medienbildung“ auf dem Stundenplan. Doch im Lehrplan für dieses Fach ist von Künstlicher Intelligenz an keiner einzigen Stelle die Rede – er stammt aus dem Jahr 2019.
„Aber man kann sich nicht länger vor dem Thema verstecken. KI muss im Lehrplan ein Schwerpunkt sein“, fordert Felix Wizowsky. Das Bildungsministerium hatte zwar eine Handreichung zum Umgang mit KI für Lehrkräfte bereitgestellt, aber ob darin auch Hinweise zur Bewertung von Leistungen enthalten sind, die mit KI-Unterstützung erbracht wurden, ist den Schülern nicht bekannt.
Forderungen des Landesschülerrates
Aus der Umfrage leitet der Schülerrat mehrere konkrete Forderungen ab:
- Eine grundlegende Reform des Informatikunterrichts
- KI als selbstverständlicher Bestandteil des gesamten Schulalltags, nicht als Randthema, sondern als Querschnittskompetenz in allen Fächern
- Ein klares politisches Bekenntnis zur aktuellen Lage und offene Anerkennung der bestehenden Defizite
Während es aus den Landtagsfraktionen von CDU und Grünen sowie der Gruppe der FDP Signale gebe, dass dieses Anliegen ernst genommen wird, fehlen aus der Regierungskoalition noch Reaktionen. „Wir stehen an einem Wendepunkt. Die Frage ist nicht mehr, ob KI unseren Alltag prägt, sondern ob Schule die Kompetenzen vermittelt, damit junge Menschen diese Entwicklung aktiv mitgestalten können“, so Wizowsky abschließend.



