Wie eine Schule in der DDR trotz Ideologie einen drogensüchtigen Autor ehrte
Schule ehrt drogensüchtigen Autor trotz DDR-Ideologie

Eine ungewöhnliche Ehrung in der DDR: Die Hans-Fallada-Schule

In der ehemaligen DDR war es üblich, Schulen nach ideologischen Vorbildern wie Kommunisten, Astronauten oder historischen Persönlichkeiten zu benennen. Ein besonderer Fall ereignete sich vor 50 Jahren, als die Feldberger Schule im Frühjahr 1976 den Namen des Schriftstellers Hans Fallada erhielt. Dies war bemerkenswert, da Fallada nach sozialistischer DDR-Anschauung kein passendes Vorbild darstellte – er war kein Kommunist, sondern Alkoholiker, Morphinist und Raucher.

Der Kampf um den Schulnamen

Die Benennung einer Schule nach einem Schriftsteller war an sich nicht ungewöhnlich, doch sollte dieser zur ideologischen Bewusstseinsbildung der Schüler beitragen. Bei Hans Fallada war davon wenig zu finden. Trotzdem setzten sich die Feldberger, angeführt vom damaligen Stadtoberhaupt Georg Thurau, erfolgreich für den Namen ein. Thurau führte einen umfangreichen Schriftverkehr mit dem Rat des Bezirkes, der zunächst skeptisch war. Ein Protokoll vom 15. September 1975 dokumentiert die Gründung einer Arbeitsgruppe Hans Fallada, die sich mit der Namensverleihung beschäftigte, obwohl nicht alle Lehrer einverstanden waren.

Der Start der neuen Schule

Die Feldberger Schule wurde im September 1975 eröffnet und war von Anfang an ein chaotisches, aber aufregendes Neuland. Marita Zimmermann, eine junge Lehrerin, erinnert sich an den ersten Tag: „Es war chaotisch. Niemand wusste, in welchen Klassenraum er gehen musste.“ Der erste Direktor, Ulrich Helm, führte jede Klasse persönlich in den richtigen Raum und beschriftete die Türen provisorisch mit Kreide. Pro Klasse besuchten zwischen 25 und 28 Schüler die Einrichtung, die zu Hochzeiten bis zu 840 Schüler in vier Zügen beherbergte.

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Die Entwicklung nach der Wende

Nach der politischen Wende musste die zehnklassige Polytechnische Oberschule umstrukturiert werden. Es entstanden ein Grundschulteil und eine Kooperative Gesamtschule (KGS) für die höheren Klassen. Werner Zimmermann, der später Direktor wurde, erinnert sich an diese Zeit des Wandels. Er und seine Frau Marita verbrachten ihr gesamtes Berufsleben an der Hans-Fallada-Schule und blieben bis zur Rente treu. Werner Zimmermann baute nebenbei den Sportsektor in Feldberg auf und ist seit 40 Jahren Vereinsvorsitzender des Feldberger Sportvereins.

Ein bleibendes Erbe

Heute, 50 Jahre nach der Namensgebung, ist die Hans-Fallada-Schule ein fester Bestandteil der Feldberger Bildungslandschaft. Die Geschichte zeigt, wie lokale Initiativen trotz ideologischer Widerstände erfolgreich sein konnten. Die Schule ehrt weiterhin einen Autor, dessen Werke weltweit gelesen werden, und erinnert an eine Zeit, in der Mut und Überzeugungskraft notwendig waren, um unkonventionelle Wege zu gehen.

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