Linke warnt vor Krise an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen in Sachsen-Anhalt
Schulkrise in Sachsen-Anhalt: Linke warnt vor Ungleichheit

Linke warnt vor eskalierender Krise an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen

Wie soll das Schulsystem der Zukunft in Sachsen-Anhalt gestaltet werden? Diese Frage rückt im Vorfeld der Landtagswahl zunehmend in den Fokus der politischen Debatte. Die Linke im Landtag sieht dabei eine besorgniserregende Entwicklung: An den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen spitzt sich die Krise weiter zu, während gleichzeitig die Ungleichheit zur Situation an den Gymnasien wächst.

Steigende Schülerzahlen bei Lehrermangel

An den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen des Landes verzeichnen die Behörden kontinuierlich steigende Schülerzahlen. Parallel dazu fehlen an diesen Schulformen besonders viele Lehrkräfte, was zu einer deutlichen Verschärfung der Situation führt. Thomas Lippmann, der bildungspolitische Sprecher der Linken-Landtagsfraktion, äußert sich besorgt: „Das Missverhältnis zur deutlich besseren Lehrkräfteversorgung an den Gymnasien wird dabei nun noch durch das seit zwei Schuljahren eingeführte neue Verfahren zur ergänzten Schullaufbahnberatung weiter befeuert.“

Lippmann erklärt weiter: „Denn dieses scheint dazu zu führen, dass von den Grundschulen tendenziell weniger Empfehlungen für das Gymnasium ausgesprochen werden und im Ergebnis trotz der freien Elternentscheidung auch weniger Kinder an die Gymnasien wechseln.“ Diese Verschiebung der Schülerströme hat konkrete Auswirkungen auf die statistischen Daten.

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Statistische Entwicklungen belegen den Trend

Laut einer Antwort der Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage von Thomas Lippmann zeigen die Zahlen einen klaren Trend: Im Schuljahr 2024/25 wechselten genau 41,9 Prozent der Viertklässler von der Grundschule auf ein Gymnasium. Ein Jahr später, im Schuljahr 2025/26, waren es nur noch 40,2 Prozent. Auch bei den Gymnasialempfehlungen ist ein Rückgang zu verzeichnen: Während im Schuljahr 2024/25 exakt 36,2 Prozent der Viertklässler eine Empfehlung für das Gymnasium erhielten, sank dieser Wert im folgenden Schuljahr auf 35 Prozent.

Bildungspolitiker warnt vor systematischer Benachteiligung

Thomas Lippmann weist auf ein grundsätzliches Problem hin: „Sachsen-Anhalt hat schon seit Jahren bundesweit den geringsten Anteil an Schülerinnen und Schülern, die eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben.“ Der Bildungspolitiker betont, dass es für das Land kein Gewinn sei, wenn dieser Anteil systematisch weiter gedrückt werde. „Hinzu kommt, dass sich durch eine Verschiebung der Schülerströme weg von den Gymnasien dort die noch relativ gute Unterrichtsversorgung weiter verbessern wird, während sich an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen immer mehr Schülerinnen und Schüler die ohnehin schon viel zu wenigen Lehrkräfte teilen müssen.“

Die aktuellen Zahlen des Bildungsministeriums unterstreichen diese Ungleichheit deutlich: An den Gymnasien lag die Unterrichtsversorgung zuletzt bei 98 Prozent, während sie an den Sekundarschulen nur 87,0 Prozent betrug. Die Unterrichtsversorgung gibt dabei an, wie viel von dem laut Lehrplan vorgesehenen Pflichtunterricht tatsächlich abgedeckt werden kann. Diese Diskrepanz von elf Prozentpunkten verdeutlicht die unterschiedlichen Bedingungen an den verschiedenen Schulformen.

Folgen für die Schullandschaft in Sachsen-Anhalt

Die sich verschärfende Situation hat mehrere Konsequenzen für das Bildungssystem in Sachsen-Anhalt:

  • An Sekundar- und Gemeinschaftsschulen müssen sich immer mehr Schüler die begrenzte Zahl an Lehrkräften teilen
  • Die Qualität des Unterrichts an diesen Schulformen könnte durch die personelle Unterbesetzung leiden
  • Die bereits bestehende Bildungsungleichheit zwischen verschiedenen Schulformen wird weiter verstärkt
  • Die Attraktivität von Sekundar- und Gemeinschaftsschulen als Bildungsweg könnte langfristig beeinträchtigt werden

Die Diskussion über die Zukunft des Schulsystems in Sachsen-Anhalt gewinnt damit nicht nur im Landtagswahlkampf an Bedeutung, sondern berührt grundlegende Fragen der Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit im Bundesland.

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