Thüringens Staatssekretär fordert mehr Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft
Der Thüringer Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur, Steffen Teichert, hat sich in einem aktuellen Interview für eine deutlich verbesserte Kommunikation wissenschaftlicher Inhalte ausgesprochen. Der promovierte Physiker und ehemalige Hochschulpräsident betonte die wachsende Bedeutung von Vermittlung zwischen Forschung und Öffentlichkeit.
Vertrauensverlust während der Pandemie
Teichert verwies dabei besonders auf die Erfahrungen während der Corona-Pandemie. „Mit Covid ist doch sehr, sehr klar geworden, dass das Verständnis dafür, wie Wissen entsteht, bei vielen Menschen überhaupt nicht da ist“, erklärte der Staatssekretär gegenüber dem „Freien Wort“. Das Vertrauen in die Wissenschaft sei in dieser Zeit ins Wanken geraten, was die Notwendigkeit besserer Erklärungsansätze unterstreiche.
Vereinfachung als notwendiges Werkzeug
Der Wissenschaftsstaatssekretär plädierte dafür, in der Wissenschaftskommunikation nicht nur Ergebnisse, sondern auch methodische Ansätze stärker zu beleuchten. Gleichzeitig warb er bei Forschenden um Verständnis für notwendige Vereinfachungen in der Medienberichterstattung. „Es geht dann darum, Dinge für die Allgemeinheit zu übersetzen, wofür Vereinfachungen wichtig sind“, so Teichert, der bis zu seiner Ernennung zum Staatssekretär im vergangenen Jahr viele Jahre als Präsident der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena tätig war.
Kritik an politischer Kommunikationskultur
Teichert übte auch Kritik an der Kommunikationskultur im politischen Raum. „Es gibt ein sehr großes Risiko, sich oder andere im politischen Raum zu beschädigen, wenn jemand eine nicht ganz fertige Idee öffentlich äußert“, analysierte der Staatssekretär. Diese Angst vor unvollständigen Gedanken führe dazu, dass innovative Ansätze gar nicht mehr geäußert würden. Die Folge sei, dass „auf der Straße dann nur noch Worthülsen unterwegs sind“.
Wissenschaft als Übersetzungsaufgabe
Der Physiker betonte die Rolle von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als Übersetzer komplexer Sachverhalte. Die zunehmende Spezialisierung in der Forschung mache es notwendig, Brücken zur allgemeinen Öffentlichkeit zu schlagen. Teichert sieht hier eine gemeinsame Verantwortung von:
- Forschungseinrichtungen
- Medien
- Politik
- Bildungseinrichtungen
Nur durch transparente und verständliche Kommunikation könne das notwendige Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse langfristig gestärkt werden.



