Berufspaten in Halle für Bürgerpreis nominiert: Ehrenamtliche unterstützen Jobsuchende
Von Silvia Zöller, 01.04.2026, 13:45 Uhr
Mut machen, bei Bewerbungsschreiben helfen und Orientierung geben – das sind die Kernaufgaben der Berufspaten der Freiwilligenagentur in Halle (Saale). Die 22 engagierten Männer und Frauen sind für ihren ehrenamtlichen Einsatz nun für den Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ nominiert. Sie unterstützen Menschen bei der Jobsuche, doch die Nachfrage übersteigt bei Weitem das Angebot an Freiwilligen.
Praktische Hilfe für Jobsuchende in Halle
Wer einen Arbeitsplatz sucht, steht oft vor zahlreichen Fragen: Wie formuliere ich eine überzeugende Bewerbung? Wie bereite ich mich optimal auf ein Vorstellungsgespräch vor? Welche beruflichen Perspektiven bieten sich mir überhaupt? Genau bei diesen Herausforderungen springen die Berufspaten ein. Mohannad Idress und Jasmin Brückner sind zwei von ihnen, die sich trotz Vollzeitberufs engagieren. „Der Zeitaufwand ist nicht extrem hoch“, betont Jasmin Brückner. Viele Anliegen ließen sich schnell per E-Mail oder Telefon klären.
Die freiberufliche Autorin ist zu den Berufspaten gestoßen, weil sie als ehemalige Mitarbeiterin der Freiwilligenagentur den hohen Bedarf erkannt hat. Sie hat bereits einer Frau zu einer Weiterbildung und 2024 zu einer Stelle in Leipzig verholfen. Aktuell unterstützt sie eine Frau aus Syrien bei der Suche nach einer Ausbildung zur Arzthelferin – ein Beruf mit dringend gesuchtem Nachwuchs. „Wir haben schon 50 Bewerbungen verschickt, es gab bisher keine positive Rückmeldung“, berichtet sie.
Flexible Unterstützung ohne Zeitdruck
Mohannad Idress, der beruflich als Jobcoach und Bildungsreferent in der Weiterbildungsakademie WBS tätig ist, unterstützt Menschen seit 2018 ehrenamtlich. Einige Klienten aus seiner beruflichen Tätigkeit begleitet er nach Ablauf der Maßnahmen weiter. „Hier kann ich Menschen flexibler und entspannter unterstützen. Es gibt keine Zeitbegrenzung und keine Formalitäten“, erklärt er. Für ihn steht die Berufsorientierung und Vermittlung von Informationen zum deutschen Arbeitsmarkt im Vordergrund.
Er betont, dass beispielsweise Kfz-Mechaniker aus Syrien oft nur schulische Ausbildungen haben, die in Deutschland nicht anerkannt werden. Besonders schwierig sei die Anerkennung für Berufe wie Rechtsanwälte und Lehrer. Dennoch sind die Berufspaten für alle offen – mit und ohne Migrationshintergrund. „Für alle, die sich Unterstützung wünschen“, sagt Antonia Niemeyer von der Freiwilligenagentur.
Hoher Bedarf und dringender Aufruf für weitere Freiwillige
Aktuell stehen 21 Personen auf einer Warteliste für Unterstützung durch Berufspaten. Daher werden dringend weitere Freiwillige gesucht. „Für dieses Ehrenamt braucht es lediglich Lebenserfahrung, keine pädagogischen Fähigkeiten“, so Niemeyer. Schon eine Stunde pro Woche reiche oft aus, vieles sei digital möglich. Jasmin Brückner glaubt, dass manche zögern, weil es nicht um Freizeitaktivitäten geht. „Aber es ist nicht so, dass es dabei nur um den Arbeitsbereich geht. Vielmehr lernt man einen Menschen kennen, man lernt eine andere Lebenswelt kennen“.
Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“
Der Bürgerpreis wird auch in diesem Jahr an Menschen und Organisationen verliehen, die sich in Halle und dem Saalekreis ehrenamtlich engagieren. Vorschläge können bis zum 16. Mai unter www.esel-auf-rosen.de eingereicht werden. Eine Jury entscheidet über die Gewinner, die am 22. August im Neuen Theater Halle ausgezeichnet werden. Die Initiative wird von der Mitteldeutschen Zeitung, der Volksbank und dem Neuen Theater getragen.



