Familienministerin drängt auf frühe Aufklärung über digitale Gefahren für Kleinkinder
Die deutsche Familienministerin Karin Prien (CDU) hat eine deutliche Initiative zur Eindämmung der Bildschirmzeit bei Kleinkindern vorgeschlagen. In einem aktuellen Podcast-Interview forderte sie, dass Kinderärzte bereits unmittelbar nach der Geburt junge Eltern über die Risiken von Smartphones und Tablets für die frühkindliche Entwicklung aufklären sollten.
„Kein Handy im Kinderwagen“ – Priens klare Forderung an die Medizin
„Ich würde schon in der Kinderarztpraxis unmittelbar nach der Geburt beginnen“, betonte die Ministerin mit Nachdruck. „Es muss sehr viel deutlicher darauf hingewiesen werden, dass bis zum Alter von drei Jahren Handys oder iPads gar nichts zu suchen haben – weder im Kinderwagen noch im Kinderzimmer.“ Prien argumentiert, dass diese frühe Intervention entscheidend sei, um problematische Nutzungsmuster von Anfang an zu verhindern.
Gesamtgesellschaftliches Projekt gegen Dauerdaddeln
Die Ministerin sieht die Herausforderung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die über die ärztliche Beratung hinausgeht. „Später sind dann Kita, Schule und die Kinder- und Jugendhilfe bei der Aufklärung über Risiken gefragt“, erklärte Prien. „Aber das wird ein gesamtgesellschaftliches Projekt werden und auch eine gesamtgesellschaftliche Strategie erfordern.“ Hintergrund ihrer Initiative ist die anhaltende Debatte über Social-Media-Gefahren für Kinder und Jugendliche in Deutschland.
Expertenkommission soll Empfehlungen erarbeiten
Obwohl Prien grundsätzlich für Beschränkungen ist, wartet sie aktuell auf die Empfehlungen einer von ihr eingesetzten Expertenkommission. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass Verbote allein nicht ausreichen werden. „Ein Verbot allein wird Gefahren problematischer Nutzung nicht abwenden“, so die realistische Einschätzung der Ministerin.
Eltern in der Pflicht: Vorbildfunktion und klare Regeln
Prien betont die zentrale Rolle der Eltern bei diesem Thema. „Kinder lernen durch Zuschauen und Zuhören“, sagte sie im Podcast. „Deshalb wird es auch Disziplin der Eltern erfordern. Ich glaube, wir brauchen da so eine Art Kodex, den auch Eltern für sich annehmen müssen.“ Die Ministerin fordert Eltern explizit auf, in diesen Fragen auch Konflikte mit ihren Kindern nicht zu scheuen.
Internationale Vorbilder und deutsche Diskussion
Als positives Beispiel nannte Prien Frankreich, wo digitale Endgeräte am Esstisch gesellschaftlich verpönt seien. „Ich glaube schon, dass man da auch in Deutschland noch mal wieder zu einer anderen Haltung kommen kann gesellschaftlich“, so ihre Hoffnung. Die politische Diskussion in Deutschland verläuft dabei nicht einheitlich: Während die Bundes-CDU im Februar ein Mindestalter von 14 Jahren für soziale Medien wie TikTok und Instagram befürwortete und sich auch die SPD für feste Altersgrenzen ausgesprochen hat, meldete die CSU in der schwarz-roten Koalition Widerspruch gegen solche Altersgrenzen an.
Priens Vorstoß markiert damit den Beginn einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Thema frühkindlicher Medienkonsum in Deutschland – mit dem Fokus auf Prävention durch Aufklärung statt ausschließlich auf regulatorische Maßnahmen.



