Massiver Protest gegen Gewalt an Frauen: Tausende auf Münchner Königsplatz
Rund 6000 Menschen haben sich am Sonntagnachmittag auf dem Münchner Königsplatz versammelt, um ihre Solidarität mit der Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes kundzutun. Die Demonstration, organisiert von der Grünen Jugend, richtete sich aber explizit auch an alle Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind – sei es in digitaler oder analoger Form.
Wut und Betroffenheit im Schatten der Propyläen
Im Schatten der historischen Propyläen brachten die Teilnehmer ihre Empörung zum Ausdruck. Agnes L. (48) und ihr Begleiter Oliver G. (50) reckten Schilder mit Aufschriften wie "Das Patriarchat tötet. Es tötet auch Gefühle" oder "Stop! in the fucking name of love" in die Höhe. "Ich möchte meine Wut kundtun", erklärte Agnes L. ihre Motivation für die Teilnahme. Auch Oliver G. betonte: "Weil es auch mich betrifft." Beide waren sich einig, dass es wichtig sei, Präsenz zu zeigen.
Anlass: Deepfakes und virtuelle Vergewaltigung
Auslöser der Proteste waren die öffentlich gewordenen Vorwürfe von Collien Fernandes. Die Moderatorin hatte im "Spiegel" enthüllt, dass gefälschte Pornovideos mit ihr als Darstellerin – sogenannte Deepfakes – in Umlauf gebracht wurden. Fernandes sprach von "virtueller Vergewaltigung". Zudem wurden unter ihrem Namen gefälschte Online-Profile erstellt.
Politische Forderungen nach strengeren Gesetzen
Unter den Demonstranten befand sich auch der künftige Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause, der mit Applaus begrüßt wurde. Die Grünen-Politikerin Katharina Schulze forderte in ihrer Rede strengere Gesetze gegen manipulierte pornografische Inhalte im Internet. "Wenn man pornografische Deepfakes herstellt oder weiterleitet, muss das in Zukunft strafbar sein", erklärte sie. Zudem müssten Technologieunternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden und ihre Algorithmen offenlegen.
Schulze und ihre Vorrednerin Lydia Dietrich verlangten von der Politik:
- Mehr Härte bei der Verfolgung von Straftätern
- Eine Verschärfung der Gesetze
- Mehr Geld für Frauenhäuser und Hilfsorganisationen
Bundesweite Solidaritätswelle und persönliche Betroffenheit
Die Münchner Demonstration ist Teil einer bundesweiten Bewegung. Bereits zuvor hatten Zigtausende in Hamburg, Hannover, Berlin und Köln protestiert. Collien Fernandes, die zwar nicht in München anwesend war, hatte sich bei der Hamburger Demo zu Wort gemeldet. "Ich stehe jetzt hier mit einer schusssicheren Weste mit Polizeischutz und mit Security, weil ich Morddrohungen bekomme", sagte sie. "Da muss man sich nicht mehr wundern, dass so viele Frauen einfach auch den Mut nicht haben, rauszugehen und zu sagen, dieses und jenes wurde mir angetan."
Die Veranstalter schätzten die Teilnehmerzahl auf etwa 6000. Die Demonstration unterstrich eindrücklich, dass das Thema Gewalt gegen Frauen – ob digital oder analog – die Gesellschaft tief bewegt und dringenden Handlungsbedarf signalisiert.



