Ostern in Polschland: Ein Neu-Rostocker feiert zwischen zwei Welten
Nun ist es endlich soweit: Das Osterfest steht vor der Tür. Für viele bedeutet dies bunte Eier oder die Feier der Auferstehung, je nach persönlichem Glauben. Ich selbst verbringe diese besondere Zeit, wie bereits seit vielen Jahren, in Polen gemeinsam mit meiner Ehefrau und unseren geliebten Katzen. Das zentrale Motto unserer Feierlichkeiten ist dabei stets dasselbe: Stille genießen, köstliches Essen und eine bewusste digitale Auszeit.
Die Kunst der polnischen Osterküche
Die vorhergesagten frostigen Temperaturen können unserer festlichen Stimmung nichts anhaben. Ob minus fünf oder plus fünfundzwanzig Grad Celsius – entscheidend ist die gemeinsame Zeit für Musik, literarische Werke und tiefgründige Gespräche. Natürlich gehört auch der traditionelle Osterspaziergang durch den Park dazu, ganz gleich bei welchem Wetter. Ein fester Bestandteil ist stets der Besuch bei der polnischen Familie meiner Frau Anna. Zum Glück habe ich vorab etwas Diät gehalten, denn das polnische Oster- und Weihnachtsessen ist jedes Mal ein wahrer Gaumenschmaus. Die Frauen der Familie verbringen viele Stunden in der Küche, um diese kulinarischen Meisterwerke vorzubereiten – dafür gebührt ihnen größter Respekt.
Allmählich wird mir bewusst, wie schwer es mir fällt, meinen eigentlichen Wohnort zu definieren. Ist es Warnemünde, Warschau oder vielleicht doch die deutsche Autobahn? Ich benötige stets einige Tage, um mich sowohl hier als auch dort wirklich heimisch zu fühlen.
Das Phänomen der „In-Betweener“
Steffen Möller, der als Kabarettist in Polen und Deutschland erfolgreich ist, bezeichnet Menschen mit dieser besonderen Lebenssituation – zu denen er selbst natürlich zählt – als „In-Betweener“. Diese Personen des Dazwischen pendeln beständig zwischen den beiden Ländern hin und her. Um möglichen Identitäts- oder Lokalitätsstörungen vorzubeugen, hat Steffen ein geniales Konzept entwickelt: Er hat praktisch ein neues Land erschaffen, das er „Polschland“ nennt – eine kreative Mischung aus Polen und Deutschland.
Praktischerweise hat er sich sogleich zum Präsidenten dieses imaginären Staates ernannt, was angesichts seiner Verdienste um den deutsch-polnischen Dialog durchaus angemessen erscheint. Wenn nicht er, wer sollte dieses Amt sonst bekleiden?
Botschafter für Rostock in Polen
Aus dieser Perspektive betrachtet, ist es eigentlich vollkommen irrelevant, wo ich mich gerade physisch aufhalte: Ich bewege mich stets in diesem utopischen Reich namens Polschland und werbe an jedem Ort, an dem ich mich befinde, für die Stadt, in der ich gerade nicht bin. Unsere polnischen Freunde und Familienmitglieder sind inzwischen zu echten Rostock- und Warnemünde-Experten geworden. Einige erinnern sich sogar daran, bereits selbst dort gewesen zu sein. Mein fast achtzigjähriger Anwalt Leopold hat sogar angekündigt, uns in diesem Sommer in Warnemünde zu besuchen – so überzeugend war meine Schilderung dieses Stadtteils.
Angesichts der großen Konkurrenz durch attraktive polnische Ostseebäder sollte ich dafür eigentlich eine touristische Auszeichnung der Hansestadt erhalten. Doch als Bürger von Polschland steht mir diese Ehre vermutlich nicht zu. Trotzdem wünsche ich allen ein frohes Osterfest! Wesołych Świąt Wielkanocnych!



