26 Nachfahren jüdischer Familien gedenken in Halle der Opfer
26 Nachfahren gedenken in Halle der NS-Opfer

Ein bewegendes Wiedersehen mit der Vergangenheit

In Halle fanden sich 26 Nachfahren jüdischer Familien aus Argentinien, den USA und Großbritannien zusammen, um an der Verlegung von Stolpersteinen teilzunehmen. Die Steine erinnern an ihre Vorfahren, die während der NS-Zeit verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Die Reise war für viele eine emotionale Begegnung mit der Geschichte ihrer Familien.

Die Geschichte der Familie Mainzer

Ernestine Mainzer, geboren 1875 in Bad Kissingen, zog 1912 mit ihrer Familie nach Halle. Ihr Mann Moses Frank arbeitete in der Viehhandlung seiner Schwäger. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde das Leben unerträglich. Moses Frank starb 1940, Ernestine wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie ein Jahr später starb. Ein Stolperstein vor der Magdeburger Straße 30 erinnert an sie.

Weitere Steine gelten den Mitgliedern der Familie von Ernestines Bruder Hugo Mainzer. Hugo war Mitinhaber einer der größten Viehhandlungen im Deutschen Reich. Sein Sohn Martin sollte das Geschäft übernehmen, doch die Nazis zwangen die Familie 1938 zur Aufgabe. Martin gelang die Flucht in die USA. Hugo wurde während der Reichspogromnacht verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht. Nach seiner Freilassung floh er mit seiner Frau Herta nach Uruguay und später zu seinen Söhnen nach Amerika.

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16 neue Stolpersteine in Halle

In dieser Woche wurden 16 neue Stolpersteine verlegt, nicht nur in der Magdeburger Straße, sondern auch in der Leipziger Straße 101 für Hubert und Lina Totzke, in der Delitzscher Straße 22 für Moses Fried, Bella Fried und ihren Sohn Erich Fried mit seiner Frau Gerda Fried sowie in der Friedensstraße 7/8 für Ernst Moos, Käthie Cerf, Otto Cerf und Ursula Cerf. Bis auf Ernestine Mainzer überlebten alle den Naziterror und flohen ins Ausland.

Patenschaften und Gedenkfeier

Schulen wie die IGS Am Steintor, die IGS Am Planetarium und die Berufsbildende Schule III haben Patenschaften für die Stolpersteine übernommen und sorgen für deren Pflege. Bei der feierlichen Verlegung in der Magdeburger Straße versammelten sich über 50 Menschen. Bruce Mainzer, Enkel von Hugo Mainzer, hielt eine bemerkenswerte Rede. Er bedankte sich bei den Hallensern für die Erinnerungsarbeit und berichtete von Funden aus dem Familienarchiv, darunter Geschäftsbriefe und Dokumente zur jüdischen Gemeinde. Besonders bewegend war die Entdeckung von freundschaftlichen Beziehungen zu Carl Wentzel, einem Mitwisser des Attentats vom 20. Juli 1944, der hingerichtet wurde.

Ausblick: Ausstellung über verfolgte Kinder und Jugendliche

Der Verein „Zeit-Geschichte(n)“ gibt bekannt, dass 2026 keine weiteren Stolpersteine verlegt werden. Stattdessen laufen Vorbereitungen für eine Ausstellung, die 2027 in Schulen gezeigt werden soll. Im Mittelpunkt stehen Kinder und Jugendliche aus Halle, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden und deren Gedenken mit den Stolpersteinen wachgehalten wird. Der Besuch der Nachfahren war ein starkes Zeichen gegen das Vergessen.

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