Blutrache-Prozess in Frankfurt: Acht Männer wegen Mordes an Gleis 9 vor Gericht
Ein brutaler Mord am Frankfurter Hauptbahnhof erschüttert die Öffentlichkeit und führt nun zu einem aufsehenerregenden Gerichtsprozess. Aus nur 30 Zentimetern Entfernung soll Kemal Ö. (56) seinem ahnungslosen Opfer Abdul Kadir E. (†27) in den Hinterkopf geschossen haben. Das Verbrechen, das sich an Gleis 9 ereignete, ist Teil einer jahrelangen Blutfehde zwischen verfeindeten türkischen Familien. Insgesamt acht Angeklagte im Alter von 22 bis 56 Jahren stehen derzeit vor dem Landgericht Frankfurt. Sieben von ihnen müssen sich wegen gemeinschaftlich begangenen, heimtückischen Mordes verantworten, ein weiterer Mann wegen Verabredung zu einem Verbrechen.
Hohe Sicherheitsvorkehrungen und dramatische Gerichtsszene
Die Sicherheitsvorkehrungen waren bereits Stunden vor Prozessbeginn extrem hoch. Polizisten patrouillierten vor dem Gerichtsgebäude, und die acht Angeklagten wurden um kurz vor zehn Uhr im Minutentakt in Handschellen in den Saal geführt. Die Angeklagten besitzen teils die deutsche, teils die türkische Staatsangehörigkeit. Einige von ihnen nickten kurz in den Zuschauerraum, während sie drei Sitzreihen im Gerichtssaal füllten – begleitet von ihren Anwälten und Dolmetschern.
Der Hauptangeklagte Kemal Ö. (56) muss sich wegen heimtückischen Mordes vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, das Opfer gezielt und kaltblütig getötet zu haben.
Tatablauf: Gezielte Verfolgung und brutale Hinrichtung
Laut Staatsanwältin wussten Kemal Ö. und seine Komplizen genau, wo sich ihr Opfer am 20. August 2024 aufhielt. Abdul Kadir E. soll auf der Plattform TikTok aktiv gewesen sein und regelmäßig seinen Standort geteilt haben. So war am Tatabend ersichtlich, dass er per Zug erst zum Mainzer Hauptbahnhof und von dort weiter nach Frankfurt fuhr.
Angeblich erwarteten ihn zwei der Männer bereits am Frankfurter Hauptbahnhof. Kemal Ö. schoss ihm dem Bericht zufolge einmal mit einer halbautomatischen Kurzwaffe der Marke Browning (Kaliber 7,65 Millimeter) unvermittelt in den Kopf. Dann beugte er sich über den am Boden liegenden E. und feuerte zwei weitere Male auf seinen Kopf. Überwachungskameras zeichneten den gesamten Mord auf, und der mutmaßliche Todesschütze wurde noch am Tatort festgenommen.
Hintergrund: Jahrelange Familienfehde mit tödlichem Ausgang
Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass eine jahrelange Fehde zwischen den türkischen Familien von Opfer und Hauptangeklagten der Auslöser für die Gewalttat war. Bereits 2016 wurde der Vater von Abdul Kadir E. in der Türkei getötet. Danach soll ein Onkel von Abdul Kadir E. einen Verwandten der Familie Ö. erschossen haben. Seither habe die Familie Ö. Blutrache geschworen.
Am ersten Prozesstag ließen die Angeklagten erklären, sich nicht äußern zu wollen. Der Prozess wird voraussichtlich bis in den Juli dauern und weitere dramatische Enthüllungen über die blutige Familienfehde bringen.
Experten der Spurensicherung waren am Tatort an Gleis 9 im Einsatz, um Beweise zu sichern und den Mord aufzuklären. Die Ermittlungen zeigen, wie tief verwurzelt die Konflikte zwischen den Familien sind und zu welchen extremen Gewalttaten sie führen können.



