Radikaler Protest eskaliert: Brandanschlag auf AfD-Büro trifft Handwerksbetrieb
Ein mehrfach vorbestrafter Einzelhandelskaufmann wollte das politische System zu Fall bringen, doch seine radikalen Aktionen trafen unschuldige Handwerker. Julian J. (21) aus München steht nun wegen versuchter Brandstiftung vor dem Amtsgericht München und drohen mehrere Jahre Haft.
Politisch motivierte Brandanschläge
Der 21-Jährige erklärte vor Gericht, er habe ein Zeichen setzen wollen gegen menschenverachtende Parteien wie die AfD und gegen den immer stärker werdenden Faschismus. Seit Oktober 2025 sitzt er in Untersuchungshaft. Laut Anklage legte er im vergangenen Herbst mehrere politisch motivierte Brände, wobei sein Hauptziel das AfD-Kreisbüro im Münchner Stadtteil Ramersdorf war.
Das Büro befindet sich im ersten Stock eines Wohnhauses. Um das Gebäude in Brand zu setzen, warf Julian J. die Scheibe einer Bauspenglerei im Erdgeschoss ein und legte dort Feuer. Die Einsatzkräfte konnten den Brand zwar unter Kontrolle bringen, doch entstand ein erheblicher Schaden von 300.000 Euro.
Zwei fehlgeschlagene Anläufe
Für seinen Brandanschlag benötigte der Angeklagte gleich zwei Versuche. Beim ersten Anlauf brannte eine Rauchfackel aus. Vier Tage später kehrte er nachts mit einem Benzinkanister zurück, drang erneut in die Werkstatt ein und entzündete dort eine Benzinlache mit verheerenden Folgen.
In seinem politischen Kampf für die Arbeiterklasse traf J. ausgerechnet einen Handwerker. Die Spenglerei im Erdgeschoss erlitt den vollen Schaden, während das AfD-Büro im ersten Stock fast unversehrt blieb. Dass dort eine Werkstatt ist, war mir nicht klar, gab J. vor Gericht zu.
Weitere Brandanschläge und Ermittlungserfolge
Zwei Tage nach dem Vorfall in Ramersdorf legte J. auch vor der CSU-Zentrale in München mit Benzin einen Brand. Hier wurde lediglich die Fassade beschädigt. Die Ermittlungen verliefen erfolgreich: Eine Tankstellen-Kamera filmte ihn beim Benzinkauf, und er zahlte dort mit seiner Bankkarte.
In seinem Kinderzimmer fand die Kriminalpolizei Tatwerkzeuge und angesengte Kleidung. Diese Beweise spielen eine entscheidende Rolle im laufenden Verfahren.
Gerichtsverfahren und mögliche Konsequenzen
Im Prozess gab es Verständigungsgespräche darüber, ob trotz mehrfacher Vorstrafen – unter anderem wegen Gewaltdelikten – eine Bewährungsstrafe möglich sei. Richterin Kathrin Lohmöller erklärte: Es ist nicht auszuschließen, hängt vom persönlichen Eindruck ab.
Der Angeklagte gab die Taten aus der Anklage zu und äußerte die Hoffnung, an einer Widerstandsbewegung zu arbeiten, um das System zu Fall zu bringen. Eine Verurteilung könnte jedoch teuer werden: Ihm drohen Vollstreckungstitel zur Eintreibung der Schäden, die 30 Jahre lang gelten.
Die Verteidigung erlebte Turbulenzen, als Anwalt Gerald Assner gleich zu Beginn der Verhandlung das Mandat als Pflichtverteidiger niederlegte – aufgrund von Differenzen mit dem Angeklagten. Der Fall zeigt die gefährlichen Auswirkungen radikalen Protests und die unvorhersehbaren Konsequenzen für unbeteiligte Dritte.



