Blumberg – „Eine Prognose über den Ausgang des 1. Mai ist nicht möglich“, sagt Polizeihauptkommissar Philipp Herms (37) am Dienstagmittag auf dem Areal der Bundespolizei in Blumberg. Seine Kollegen trainieren den Ernstfall. B.Z.-Reporter waren exklusiv dabei. Am kommenden Freitag werden 600 „Blumberger“ die Berliner Polizei im Kampf gegen die 1.-Mai-Randale unterstützen.
Realistisches Training auf dem Übungsplatz
Auf dem Übungsplatz der Polizei tummeln sich zahlreiche gewaltbereite „Demonstranten“. Musik dröhnt. „Scheißbullen“, skandieren vermummte Randalierer. Rauchbomben werden gezündet, roter Qualm hüllt die Szenerie in ein gespenstisches Licht. Plötzlich rennen Bereitschaftspolizisten auf die Demonstranten zu. Es fliegen Steine und Fahnenstiele, die Beamten greifen zu. Sie bringen Vermummte zu Boden, die vor Schmerzen aufschreien. In dem Lärm müssen selbst die Beamten ihre Anweisungen brüllen.
Drei Minuten „Schlacht“
Drei Minuten dauert die „Schlacht“, dann ist die Situation geklärt, und die Straftäter sind abgeführt. Und dann wird auch wieder gelacht. Wieder ein Rollenspiel abgearbeitet. Das zweite an diesem Tag.
Reale Bedingungen, aber falsche Pflastersteine
Polizeioberkommissar Jan Mehlhorn (45): „Dies war eine Übung unter realen Bedingungen.“ Nur, dass die Schmerzensschreie ebenso falsch waren wie die Pflastersteine – geworfen wurde mit Hartgummistücken. „Geübt haben insgesamt vier Hundertschaften – und jeweils immer zwei im Wechsel. Eine davon stellte die Demonstranten dar.“ Ausbilder beobachten die Aktionen, machen sich Notizen und werten aus. Danach werden die Rollen getauscht.
Einsatz in der Hauptstadt
Die komplette Bundespolizeiabteilung Blumberg – bestehend aus sechs Hundertschaften verschiedener Einheiten – wird am 1. Mai in die Hauptstadt geschickt, um Randale, Sachschäden und Personenschäden zu vermeiden. „In den letzten Jahren“, so Jan Mehlhorn, „war es ruhiger als früher. Aber die politische Weltlage kann dies schnell ändern.“ Der Beamte wird am 1. Mai im Führungsstab am Ort sein. Seine schwere Ausrüstung: Die Schutzweste wiegt fünf Kilogramm, der Helm 2,7 Kilo. Hinzu kommen Waffe, Schlagstock, Pfefferspray, Verbandszeug.
„Der Feind ist die Routine“
Mehlhorn hat zwei Söhne, 15 und 21 Jahre alt. Der Ältere ist ebenfalls bei der Truppe. Seine Frau sorgt sich, wie bei jedem Einsatz. „Der Feind ist die Routine. Man darf sich nicht darauf verlassen, nur in bekannte Situationen zu kommen.“ Mehlhorn weiß, wovon er spricht. Mehrere Mai-Einsätze hat er erlebt, dann Gipfeltreffen und Castor-Transporte. Erst einmal wurde er verletzt. Ein Pflasterstein brach ihm einen Finger. „Andere traf es schon schlimmer.“
Bewaffnete Köche im Einsatz
Um gutes Essen im Einsatz müssen sich die Bundespolizisten wenigstens nicht sorgen: Die Bundespolizisten haben eine eigene Versorgungstruppe, die sie mit Getränken, Stullenpaketen und warmen Mahlzeiten versorgt. Die Köche sind selbst Bereitschaftspolizisten und auch dementsprechend bewaffnet. „Die vollkommen autarke Versorgung von Einsatzkräften im Einsatzraum ist eine unserer Kernkompetenzen und trägt nicht wenig zu einem erfolgreichen Einsatz bei“, so ein Beamter.



