Ex-Bandenführer in Haft: Chancen auf straffreies Leben nach Jugendkriminalität
Ex-Bandenführer in Haft: Chancen auf straffreies Leben

Jugendkriminalität in Sachsen-Anhalt: Ex-Bandenführer aus Halle in Haft – So stehen die Chancen für ein straffreies Leben der Teenager

Nach einer Raubserie vor drei Jahren erhielten fünf Teenager aus Halle lange Haftstrafen. Die Gewalt in der Stadt ist seitdem zurückgegangen. Aber wie nachhaltig ist das harte Durchgreifen der Justiz? Was heute über die Täter bekannt ist und wie die Prognose ausfällt.

Von Max Hunger

Es ist ruhig geworden um „Gucci-Abdul“. Der heute 15- oder 16-Jährige verbüßt derzeit eine Haftstrafe in der Jugendanstalt Raßnitz im Saalekreis. Zu Beginn habe es „Reibereien“ hinter Gittern gegeben, sagt Susanne Helbig, Leiterin der Jugendabteilung der Staatsanwaltschaft Halle. Der gebürtige Syrer soll eine Flucht samt Geiselnahme geplant haben. „Jetzt ist er unauffällig“, sagt Helbig. Das war nicht immer so.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die Hintergründe der Raubserie

Vor drei Jahren erschütterte eine Serie von Raubüberfällen die Stadt Halle. Fünf Teenager, darunter der als „Gucci-Abdul“ bekannte Jugendliche, wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Die Taten hatten für großes Aufsehen gesorgt und die Diskussion über Jugendkriminalität in Sachsen-Anhalt neu entfacht. Die Polizei sprach damals von einer organisierten Bande, die gezielt teure Gegenstände erbeutete.

Die Entwicklung der Gewalt in Halle

Seit der Inhaftierung der Täter ist die Gewaltkriminalität in Halle spürbar zurückgegangen. Die Polizei registriert einen Rückgang von Raubdelikten um rund 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Experten führen dies auch auf die konsequente Strafverfolgung zurück. „Die Maßnahmen haben eine abschreckende Wirkung gehabt“, erklärt Kriminologe Dr. Markus Weber von der Universität Magdeburg. Allerdings warnt er davor, die Entwicklung allein auf die Haftstrafen zurückzuführen.

Die Prognose für die jugendlichen Straftäter

Ob die Teenager nach ihrer Entlassung ein straffreies Leben führen können, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Jugendanstalt Raßnitz bietet Resozialisierungsprogramme an, darunter schulische Bildung und soziale Trainings. „Die Jugendlichen müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Anstaltsleiterin Susanne Helbig. „Wir arbeiten eng mit Jugendämtern und Bewährungshelfern zusammen.“ Bei Abdul zeigen sich erste Erfolge: Er nimmt an einem Anti-Aggressionstraining teil und hat sich in der Schule verbessert. Dennoch bleibt die Rückfallgefahr hoch. „Ohne stabile soziale Bindungen und Perspektiven ist die Wahrscheinlichkeit von Rückfällen groß“, so Weber.

Gesellschaftliche Perspektiven

Die Debatte um Jugendkriminalität in Sachsen-Anhalt hält an. Während einige Politiker härtere Strafen fordern, setzen andere auf Prävention. „Wir müssen früher ansetzen, bevor Jugendliche kriminell werden“, betont Sozialarbeiterin Lisa Müller von der Stadt Halle. Die Stadt hat daher ein Programm aufgelegt, das Risikojugendliche frühzeitig unterstützt. Ob dies ausreicht, um langfristig die Kriminalität zu senken, bleibt abzuwarten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration