Das Arbeitsklima im nordrhein-westfälischen Heimatministerium ist nach einer internen Umfrage aus dem Herbst 2025 „verheerend“. Die Mitarbeiter schlagen Alarm und berichten von „Angst und Schrecken“ in der Behörde. Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) schiebt die Kritik jedoch beiseite und setzt offenbar unbeirrt ihren Führungsstil fort.
Interne Umfrage offenbart tiefe Unzufriedenheit
Laut einem Bericht des SPIEGEL haben die Beschäftigten des Ministeriums in einer anonymen Befragung ihrer Unzufriedenheit Luft gemacht. Die Ergebnisse sind alarmierend: Viele Mitarbeiter fühlen sich unter Druck gesetzt, klagen über mangelnde Wertschätzung und eine angespannte Atmosphäre. Einige sprechen gar von einer Kultur der Einschüchterung. Die Führungsebene um Ministerin Scharrenbach wird dafür verantwortlich gemacht, dass Probleme nicht ernst genommen und Kritiker abgestraft würden.
Ministerin Scharrenbach weist Vorwürfe zurück
Auf Nachfrage des SPIEGEL reagierte Scharrenbach gelassen. Sie sehe keinen Handlungsbedarf und verwies auf die hohe Arbeitsbelastung im Ministerium, die naturgemäß zu Spannungen führe. „Wir arbeiten an wichtigen Zukunftsthemen für Nordrhein-Westfalen“, so die Ministerin. „Da ist ein gewisser Druck normal.“ Die Vorwürfe der Mitarbeiter wischte sie als „Einzelfälle“ vom Tisch. Doch die Umfrageergebnisse sprechen eine andere Sprache: Fast zwei Drittel der Befragten bewerteten das Betriebsklima als schlecht oder sehr schlecht.
Opposition fordert Konsequenzen
Die Opposition im Düsseldorfer Landtag reagierte empört. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Sarah Philipp forderte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) auf, Konsequenzen zu ziehen. „Eine Ministerin, die ihre Mitarbeiter derart vergrault, ist untragbar“, sagte Philipp. Auch die Grünen und die FDP verlangten eine Aufklärung der Missstände. Das Heimatministerium ist unter anderem für den ländlichen Raum, Kommunalfinanzen und den Sport zuständig – Bereiche, die für die Bürgerinnen und Bürger in NRW von großer Bedeutung sind.
Experten sehen Führungsversagen
Führungsexperten bewerten die Situation kritisch. „Wenn eine Umfrage ein derart schlechtes Arbeitsklima offenbart, liegt das in der Regel an der Führungsspitze“, erklärte die Organisationspsychologin Dr. Martina Klein. „Angst und Schrecken in einer Behörde sind ein klares Warnsignal. Das kann langfristig die Leistungsfähigkeit des gesamten Ministeriums beeinträchtigen.“ Sie empfiehlt dringend eine externe Moderation und einen offenen Dialog mit den Beschäftigten.
Gewerkschaft schlägt Alarm
Der Deutsche Beamtenbund (dbb) NRW zeigte sich besorgt. „Wir beobachten die Entwicklung im Heimatministerium seit Monaten mit Sorge“, sagte der Landesvorsitzende Roland Staude. „Die Beschäftigten fühlen sich alleingelassen und nicht ernst genommen. Das darf nicht so weitergehen.“ Er forderte die Landesregierung auf, die Missstände endlich anzugehen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Andernfalls drohe eine Abwanderung qualifizierter Fachkräfte.
Die Landesregierung in Düsseldorf steht nun unter Druck. Ministerpräsident Wüst hatte Scharrenbach erst kürzlich das Vertrauen ausgesprochen. Ob er angesichts der neuen Enthüllungen an ihr festhält, bleibt abzuwarten. Klar ist: Das „verheerende“ Arbeitsklima im Heimatministerium wird die politische Debatte in Nordrhein-Westfalen noch länger beschäftigen.



