Auf dem Landesparteitag der Grünen in Emden hat die Landesvorsitzende Greta Garlichs über ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung im Internet berichtet. Die 29-Jährige schilderte, wie Männer auf dem Messengerdienst Telegram und der Plattform X Bilder von ihr sowie sexuelle Fantasien verbreiteten. „Sie haben alte Fotos von mir herausgekramt und mir ist übel geworden“, sagte Garlichs vor den Delegierten.
Erste Hinweise aus der Bundespolitik
In ihrem ersten Jahr als Landesvorsitzende habe eine Bekannte aus der Bundespolitik angerufen und sie auf die Vorfälle aufmerksam gemacht, erklärte Garlichs. Männer hätten junge, linke Frauen in Posts und Kommentarspalten sexuell erniedrigt. „Frauen, die ihrer Sicht nach politisch zwar spinnen, aber die man immer noch mit Gewalt dazu zwingen könnte, deutschen Nachwuchs zu zeugen“, beschrieb die Politikerin die Inhalte. Einige Männer hätten sich sogar bereit erklärt, diese Fantasien umzusetzen, und hätten Garlichs Standort im Netz geteilt.
Unterstützung durch HateAid
„Zum Glück habe ich nie herausgefunden, wie schlimm es in den Telegram-Gruppen war“, meinte die Grünen-Politikerin. „Und ich war dankbar, dass ich Unterstützung hatte von HateAid.“ Die Berliner Beratungsstelle setzt sich gegen Hass im Internet ein. Sie wird bisher vom Bund gefördert, droht die Unterstützung im Zuge der Änderungen am Programm „Demokratie leben“ aber zu verlieren. „Diese Organisationen dürfen nicht weggekürzt werden“, betonte Garlichs. Die Beratungsstelle habe ihr und vielen anderen Frauen geholfen. „Wie häufig musste ich denn schon mit engagierten Kommunalpolitikerinnen hier aus Niedersachsen sprechen und sie an HateAid vermitteln, weil sie bedroht, beleidigt, eingeschüchtert werden?“
Aufruf zu politischem Engagement
Garlichs forderte Frauen auf, öffentlich Präsenz zu zeigen und sich mit Blick auf die Kommunalwahlen im September politisch zu engagieren. „Weil es einen Unterschied macht, wer Politik macht.“ Jede einzelne Frau könne ein Vorbild sein und zeigen, was möglich sei. Sie betonte die Bedeutung von Zivilcourage und solidarischen Netzwerken im Kampf gegen digitale Gewalt.



