Serie von Geldautomatensprengungen in Berlin: Täter schlagen nachts zu
Geldautomatensprengungen in Berlin: Täter schlagen nachts zu

Berlin – Immer wieder erschüttern laute Explosionen in den frühen Morgenstunden die Hauptstadt. Zwischen 1 und 5 Uhr morgens schlagen unbekannte Täter zu und sprengen Geldautomaten in Einkaufszentren. Besonders betroffen sind die Bezirke Reinickendorf, Pankow, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf. Die Polizei geht von einer festen Bande aus, die seit Monaten ihr Unwesen treibt.

Gleiche Vorgehensweise bei jedem Anschlag

Die Kriminellen gehen stets nach demselben Muster vor. Etwa eine Stunde vor der Tat stehlen sie einen bestimmten Autotyp – meist SUVs mit Allradantrieb. Diese Fahrzeuge werden häufig in der Nähe des späteren Tatorts entwendet. Laut Polizei sind die Täter darauf spezialisiert, genau diese Fahrzeuge schnell zu knacken. Sie verfügen über Fachwissen, wie es aus Ermittlerkreisen heißt. Hinweise auf Tatfahrzeuge sind eingeschlagene Dreiecksscheiben oder beschädigte Handschuhfächer.

Etwa eine Stunde nach dem Diebstahl schlagen die Täter zu. Die gefährliche Prozedur beginnt mit dem Einleiten eines brennbaren Gases in den Geldautomaten. Oft verwenden sie ein hochentzündliches Gemisch aus Sauerstoff und Acetylen, das über Schläuche in das Innere des Automaten geleitet wird. Die Einbringung erfolgt mit einer sogenannten Schweißlanze. Anschließend wird das Gasgemisch mit einer Zündvorrichtung entzündet – oft aus sicherer Entfernung per Kabel oder Funk.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Explosion verursacht immense Schäden

Die Explosion sprengt das Gehäuse des Automaten auf, sodass die Täter an die Geldkassetten gelangen. In den letzten Jahren setzen Banden zunehmend auf Explosivstoffe wie TATP (Triacetontriperoxid) oder selbst hergestellte Gemische, da diese eine zuverlässigere Sprengwirkung erzielen als reine Gasgemische. Die Schäden nach einer Explosion belaufen sich oft auf mehrere Hunderttausend Euro – und sie sind gefährlich für Kunden oder Passanten, die sich in der Nähe aufhalten.

Fahrzeugwechsel und Chlor gegen Spuren

Nach der Sprengung geht alles blitzschnell. In der Nähe des Tatorts wechseln die Täter das Fahrzeug. Im Schutz der Häuserschluchten, meist auf größeren öffentlichen Parkplätzen, laden sie ihre Beute um. Um DNA-Spuren zu verwischen, sprühen sie das gestohlene Fahrzeug mit Chlorbleiche ein. Nicht immer haben die Täter Erfolg: Am 25. März detonierte ein Geldautomat im Biesdorf-Center, doch die Täter gingen offenbar leer aus. Die Ermittler befürchten deshalb weitere Anschläge.

Explosion am Bahnhof Brück

Doch nicht nur Geldautomaten stehen im Fokus der Kriminellen. In der Nacht zum Sonntag, gegen 1.45 Uhr, explodierte auf dem Bahnhof in Brück (Landkreis Potsdam-Mittelmark, Brandenburg) ein Fahrkartenautomat. Durch die Detonation wurden Trümmerteile über beide Gleise geschleudert und blieben auch im Gleisbett liegen. Zudem wurde die Oberleitung in Fahrtrichtung Bad Belzig beschädigt. Es kam zu Beeinträchtigungen im Zugverkehr. Nach ersten Erkenntnissen gelangten die Täter nicht an Bargeld. Münzbehälter und Geldscheine blieben im Automaten. Die vorläufige Sachschadenshöhe beträgt 100.000 Euro.

Die Polizei ermittelt in allen Fällen mit Hochdruck. Zeugen, die verdächtige Beobachtungen gemacht haben, werden gebeten, sich zu melden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration