Heimlich gefilmt: Wie sich eine Hamburgerin gegen Belästigung mit Smart Glasses wehrte
Heimlich gefilmt: Hamburgerin wehrt sich gegen Smart-Glasses-Belästigung

Ein Sommertag 2024 in Hamburg. Die 28-jährige Zeina Abou Taha sitzt mit einer Freundin im Bikini an der Alster. Plötzlich spricht ein Mann sie an, fragt nach ihrem Beziehungsstatus. Sie antwortet freundlich, er verschwindet. Wochen später erfährt sie: Die gesamte Szene wurde heimlich mit einer Smart-Brille gefilmt und auf TikTok verbreitet. Das Video erhält tausende Likes und Kommentare – viele davon frauenverachtend.

Der Vorfall und seine Folgen

Abou Taha erkennt den Mann nicht wieder, bis ihr Schwager ihr den Link schickt. Sie ist schockiert: „Warum bin ich jetzt in so einer verletzlichen Situation im Internet?“ Das Video, betitelt mit „German Rizz“, zeigt sie im Bikini, wie sie angesprochen wird. Die Kommentare sind voller Beschimpfungen wie „Schlampe“ oder „nuttig“. Sie fühlt sich gedemütigt und verliert ihr Gefühl von Sicherheit im öffentlichen Raum.

Smart Glasses: Ein neues Werkzeug für Belästigung

Der Täter nutzte eine Ray-Ban Meta Smart Glass. Diese Brillen sehen aus wie normale Modelle, haben aber eine eingebaute Kamera. Ein Lämpchen zeigt an, wenn gefilmt wird, doch das lässt sich umgehen. Weltweit wurden über sieben Millionen solcher Brillen verkauft. Meta verweist auf die Eigenverantwortung der Nutzer, hat aber rechtliche Schritte gegen Anleitungen zur Manipulation eingeleitet.

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Der Trend „Rizz“ und seine Folgen

Das Video ist Teil eines Trends namens „Rizz“. Männer filmen heimlich ihre Flirtversuche und stellen sie ins Netz. Auf Instagram gibt es über 940.000 Videos mit diesem Hashtag. Viele zeigen übergriffige Situationen. Die Kommentarspalten sind oft voller Misogynie. Abou Taha ist nicht allein: Tausende Frauen weltweit werden so belästigt.

Abou Tahas Gegenwehr

Sie meldet das Video bei TikTok, doch die Plattform nimmt es nur in bestimmten Regionen offline. Also dreht sie ein eigenes Video, in dem sie den Vorfall schildert. Es wird viral und erreicht fast 450.000 Aufrufe. Der Täter, „german.rizzler“, entschuldigt sich und löscht das Video. Abou Taha lässt ihr Video online, um andere Frauen zu warnen.

Rechtliche Lücken und neue Gesetze

Die Rechtswissenschaftlerin Indra Spiecker erklärt: „Wir haben eine Gesetzeslücke im Strafrecht, wenn im öffentlichen Raum gefilmt wird.“ Das Bundesjustizministerium hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der unbefugte Bildaufnahmen in sexuell bestimmter Weise unter Strafe stellt. Ob Abou Tahas Video darunter fällt, ist fraglich. Spiecker lobt ihre Reaktion: „Die Chance, dass Videos offline genommen werden, ist so viel größer.“

Prävention und Aufklärung

Abou Taha ist heute vorsichtiger, besonders wenn sie Menschen mit großen Brillen sieht. Sie will andere Frauen sensibilisieren. Die Recherche des SWR zeigt, wie dreist „Rizzfluencer“ vorgehen. Die Doku „Heimlich gefilmt – online gedemütigt: Warum Du jetzt nirgends mehr sicher bist“ ist in der ARD Mediathek abrufbar.

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