IS-Prozess in München: Oberfränkin bereut Radikalisierung und Terror-Mitgliedschaft
IS-Prozess: Oberfränkin bereut Radikalisierung

IS-Prozess in München: Oberfränkin gesteht Verblendung und zeigt Reue

Vor dem Oberlandesgericht München läuft ein aufsehenerregender Prozess gegen eine 38-jährige Frau aus Oberfranken. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihr Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland sowie Verletzung ihrer Fürsorgepflicht als Mutter vor. Die Angeklagte, die aus Strullendorf im Landkreis Bamberg stammt, konvertierte im Jahr 2007 zum Islam und folgte später ihrem Ehemann in das syrische Bürgerkriegsgebiet.

Von der Jugendliebe zur Terrororganisation

Die Geschichte der Frau beginnt im Jahr 2003, als die damals 15-Jährige im Urlaub den tunesischen Mouadh kennenlernte. „Mo war meine große Liebe“, erklärte sie im Gerichtssaal. 2008 heirateten sie und bauten sich ein gemeinsames Leben in der Nähe von Bamberg auf. Doch die anfänglich liberale Ehe wandelte sich: Die Frau wurde zunehmend isoliert, bis ihr Mann schließlich von seinem Plan berichtete, nach Syrien zu gehen, um für den Islamischen Staat zu kämpfen.

Ende September 2014 reiste die Oberfränkin mit ihren drei Kindern über die Türkei in das syrische Raqqa, wo sich die Familie niederließ. Laut Anklage unterstützte sie dort die Ideologie des IS und erzog ihre Kinder entsprechend. Die Generalstaatsanwaltschaft betont, dass sie den bewaffneten Dschihad als legitimes Mittel ansah und die freiheitlich demokratische Grundordnung ablehnte.

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Tragische Verluste und Rückkehr nach Deutschland

Im Jahr 2015 starb ihr erster Ehemann bei einem Selbstmordattentat mit einer Autobombe. Nur wenige Monate später heiratete sie erneut und wurde Zweitfrau eines weiteren IS-Mitglieds. 2017 bekam sie einen weiteren Sohn, doch 2018 starb auch ihr zweiter Ehemann bei einem Bombenangriff auf ihre Wohnung. Als Alleinerziehende mit vier Kindern ging sie im Februar 2019 in ein Flüchtlingscamp und wurde nach weiteren Stationen im Mai 2025 nach Deutschland ausgeflogen, wo sie kurz nach der Einreise festgenommen wurde.

„Maximal verblendet“: Distanzierung und Entschuldigung

Im Prozess zeigt die Angeklagte tiefe Reue. „Ich war maximal verblendet“, erklärte sie über ihre Verteidigerin. Heute könne sie ihre damalige Radikalisierung nicht mehr nachvollziehen und distanziere sich ausdrücklich davon. Sie entschuldigte sich bei ihren Kindern für die erlebten Traumata: Krieg, Angst und den Verlust ihrer Väter.

Die Frau beschreibt sich selbst als naiv, leichtgläubig und manipulierbar, die in den „Sog der Propaganda“ unter den schwierigen Verhältnissen in Syrien geriet. „Dass ich nachgegeben habe, war der größte Fehler meines Lebens“, gestand sie. Sie schäme sich täglich für die Aggressivität des IS, insbesondere bei Selbstmordattentaten, und betonte, dass dies nicht mit ihrem muslimischen Glauben vereinbar sei.

Neuanfang und Deradikalisierung

Derzeit befindet sich die 38-Jährige in Untersuchungshaft und nimmt an einem Deradikalisierungsprogramm teil. Sie bedankte sich bei den deutschen Behörden, darunter dem Auswärtigen Amt und dem Jugendamt, für die Chance auf ein neues Leben. „Ich möchte mit der Vergangenheit abschließen“, sagte sie vor Gericht und äußerte den Wunsch, in Frieden und Freiheit mit ihrer Familie zu leben und alles wiedergutzumachen.

Der Prozess wirft ein Schlaglicht auf die komplexen Mechanismen von Radikalisierung und die langen Wege der Reintegration. Die Angeklagte betont, dass sie ihre Kinder nicht mit Hass, sondern mit Werten wie Freundlichkeit und Respekt erzogen habe und hofft auf einen Neuanfang in Deutschland.

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