Neuer Trend aus den USA: Jugendliche stürmen Scientology-Gebäude
Ein ungewöhnlicher Trend aus den USA schwappt nach Deutschland: Jugendliche dringen in Gruppen in Scientology-Gebäude ein, rennen so schnell und weit wie möglich durch die Räumlichkeiten und filmen sich dabei. Die Videos werden dann in sozialen Netzwerken geteilt. Was steckt hinter diesem Phänomen, das als „Speedrun“ bezeichnet wird? Und wie reagieren die betroffene Organisation und die Behörden?
Was ist ein Scientology-Speedrun?
Bei einem Speedrun handelt es sich um eine Art Wettrennen, bei dem die Teilnehmer versuchen, ein bestimmtes Ziel in möglichst kurzer Zeit zu erreichen. Im Fall der Scientology-Gebäude geht es darum, so tief wie möglich in die Räumlichkeiten vorzudringen, ohne erwischt zu werden. Die Jugendlichen filmen ihre Aktionen mit dem Smartphone und laden die Clips auf Plattformen wie TikTok oder Instagram hoch. Der Reiz liegt offenbar in der Kombination aus Adrenalin, sozialer Anerkennung und dem Tabubruch, eine als umstritten geltende Organisation zu provozieren.
Reaktionen von Scientology und Polizei
Scientology Deutschland zeigte sich gegenüber dem SPIEGEL irritiert über die Aktionen. Ein Sprecher erklärte, man habe die Vorfälle zur Anzeige gebracht und werde rechtliche Schritte prüfen. Die Gebäude seien private Räumlichkeiten, und das Eindringen stelle einen Hausfriedensbruch dar. Die Polizei bestätigte, dass es in mehreren Städten zu Einsätzen gekommen sei, nachdem Jugendliche versucht hatten, in Scientology-Zentren einzudringen. In einigen Fällen wurden die jungen Leute gestellt und müssen nun mit Strafverfahren rechnen. Die Beamten warnen eindringlich vor Nachahmung: Neben strafrechtlichen Konsequenzen bestehe auch die Gefahr von Verletzungen durch Stolpern oder Zusammenstöße mit Einrichtungsgegenständen.
Warum gerade Scientology?
Experten vermuten, dass die Wahl auf Scientology fällt, weil die Organisation in der Öffentlichkeit oft kritisch gesehen wird und als geheimnisumwittert gilt. Der Verfassungsschutz beobachtet Scientology in Deutschland seit Jahren wegen verfassungsfeindlicher Bestrebungen. Die Jugendlichen nutzen diese Kontroverse offenbar aus, um sich als „Rebellen“ zu inszenieren. Hinzu kommt der Gruppendruck in sozialen Netzwerken: Wer ein besonders spektakuläres Video liefert, erntet viele Likes und Kommentare. Der Trend erinnert an frühere Phänomene wie das „Trespassing“ in verlassenen Gebäuden oder das „Urban Exploring“, allerdings mit einer klaren politischen oder provokativen Note.
Gefahren und rechtliche Konsequenzen
Neben der strafrechtlichen Verfolgung wegen Hausfriedensbruchs drohen den Jugendlichen auch zivilrechtliche Forderungen von Scientology. Zudem können die Videos als Beweismittel gegen sie verwendet werden. Psychologen warnen vor einer Verharmlosung der Aktionen: Was als Spaß beginne, könne schnell eskalieren, wenn Jugendliche sich in ihrer Gruppe gegenseitig zu immer riskanteren Aktionen anstacheln. Eltern und Schulen sind aufgefordert, mit den Jugendlichen über die Risiken zu sprechen und Alternativen für spannende, aber legale Aktivitäten aufzuzeigen.
Fazit
Der Speedrun-Trend auf Scientology-Gebäude mag auf den ersten Blick wie ein harmloser Jugendstreich wirken, doch die rechtlichen und sicherheitstechnischen Implikationen sind ernst. Die Behörden zeigen wenig Verständnis für die Aktionen, und Scientology kündigt juristische Schritte an. Ob der Trend anhält oder bald wieder abflaut, bleibt abzuwarten – fest steht jedoch, dass die beteiligten Jugendlichen mit unangenehmen Konsequenzen rechnen müssen.



