Jugendzentrum-Skandal in Berlin-Neukölln: Enthüllungen zu sexuellen Übergriffen
Das Jugendzentrum Wutzkyallee in der Gropiusstadt bleibt mindestens bis zu den Sommerferien geschlossen. Neue Details enthüllen, dass sexuelle Übergriffe dort bereits seit über einem Jahr gemeldet wurden. Mädchen berichteten ab Februar 2025 von unerwünschtem Küssen und Berührungen der Brust.
Unzureichende Maßnahmen und abgesagte Fortbildung
Als Reaktion plante das Jugendzentrum eine Fortbildung mit dem Titel „Sexuelle Gewalt erkennen und handeln“ durch Experten vom Träger „Hilfe für Jungs“. Diese sollte Mitarbeitern helfen, Probleme mit toxischer Männlichkeit zu bewältigen. Der Termin wurde jedoch kurzfristig wegen Krankheit abgesagt.
Aus Sicht des Berliner Jugendsenats waren die ergriffenen Maßnahmen über den langen Zeitraum nicht ausreichend. Lediglich eine Tür wurde ausgehängt, um die Sichtbarkeit in allen Räumen zu verbessern. Bei einigen männlichen Besuchern wurden zeitweise Hausverbote verhängt.
Eskalation der Vorfälle und politische Konsequenzen
Trotz dieser Schritte kam es im selben Jahr zur mutmaßlichen Vergewaltigung einer 16-jährigen Schülerin. Im Januar stürzte sich in einem Hinterzimmer eine Gruppe meist arabischer Jugendlicher auf dieselbe türkisch-kurdische Jugendliche. Einige der muslimischen Jugendlichen standen bereits im Visier der Polizei, weshalb Betreuer von einer Anzeige absahen.
Die CDU fordert den Rücktritt der verantwortlichen Jugendstadträtin Sarah Nagel (40, Linke). „Nicht ohne Grund wird mittlerweile wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt gegen sie ermittelt“, erklärt CDU-Fraktionschef Markus Oegel (62). SPD und Grüne verhalten sich abwartend, eine Abstimmung gegen Nagel könnte erst im Mai erfolgen – in diesem Monat geht sie nach Informationen ohnehin in Mutterschutz.
Familie leidet und weiteres Jugendzentrum geschlossen
Die Familie des Opfers ist schwer betroffen. Die 14-jährige Schwester wechselte auf Wunsch der Eltern die Schule, nachdem die Tätergruppe versucht hatte, sie zu Treffen zu bewegen. Tommy Tabor (AfD) kritisiert scharf: „Dass das Jugendamt trotz des ausdrücklichen Wunsches des Opfers bewusst keine Anzeige erstattete, erweitert den Skandal von Nachlässigkeit zu Vorsatz.“
Neben dem Jugendzentrum Wutzkyallee wurde in Neukölln auch das Jugendzentrum Wildhüterweg geschlossen. Als Begründung gibt der Bezirk an, dass der Einrichtungsleiter versetzt wurde und kein dauerhafter Ersatz gefunden wurde. Zudem bestätigt der Bezirk, dass es kein vorgeschriebenes Kinderschutz-Konzept gab, betont aber, dass keine sexuellen Vorfälle gegen oder unter Jugendlichen stattfanden.
Bürgermeister Martin Hikel (39, SPD) steht unter Druck, Sarah Nagel umgehend zu suspendieren. Der Skandal wirft Fragen zur Sicherheit in Jugendzentren und zur Verantwortung der politischen Entscheidungsträger auf.



