„Meine Gutachterin verließ den Raum, um zu weinen“: Klaras grausame Kindheit in der Prignitz
Klara: Missbrauchsopfer findet Heilung in der Prignitz

Ein erschütternder Fall von Kindesmissbrauch in der Prignitz

Die Dunkelziffer bei Kindesmissbrauch ist laut Experten alarmierend hoch. Ein besonders grausamer Fall erschüttert nun die Prignitz, wo Klara Timm (alle Namen geändert) langsam zur Ruhe kommt. Ihre Kindheit war von unvorstellbarer Brutalität geprägt: Sie wurde durch ihre eigene Mutter gefoltert und vom Stiefvater systematisch vergewaltigt.

Das Martyrium begann im Babyalter

Ihr Leidensweg startete praktisch mit der Geburt. Als Kleinkind erlitt Klara regelmäßig Schläge und trug blaue Flecken davon. Mit knapp zwei Jahren wurde sie mit einer gebrochenen Rippe ins Krankenhaus eingeliefert. „Dort blieb ich etwa zwei Wochen“, berichtet sie. „Meine Mutter sagte den Ärzten, mein Kind ist ein Wirbelwind, ist gefallen, und schon wurden die Nachforschungen beendet.“

Dabei wuchs Klara nicht in einem anonymen Großstadtkiez auf, sondern auf einem Bauernhof in einem schleswig-holsteinischen Dorf. Die liebevolle Oma erkannte den missbräuchlichen Umgang und übernahm das Sorgerecht. Doch kurz vor Klaras sechstem Geburtstag entführte die Mutter das Kind nach Hamburg – dort begann die eigentliche Hölle.

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Systematische Vernachlässigung durch Behörden

Die Behörden versagten auf mehreren Ebenen:

  • Obwohl die Oma das Sorgerecht hatte, schritten die Behörden nicht ein, als die Mutter mit Klara nach Hamburg verschwand
  • Die Mutter log das Jugendamt an und erhielt das alleinige Sorgerecht
  • Selbst als der leibliche Vater versuchte, seine Tochter zu retten, wurde er durch Lügen der Mutter blockiert

Klara erinnert sich: „Ich stand zwischen meiner Mutter und der Sozialarbeiterin und wurde gefragt, ob ich bei Mama oder Papa leben möchte. Ich nutzte die vermeintliche Chance und sagte mehrmals, ich will zu Papa. Daraufhin wurde die Tür zugeschlagen und ich wurde als undankbar beschimpft.“

Die Hölle mit Stiefvater und Mutter

Als sich die Mutter neu verliebte, verschlimmerte sich die Situation dramatisch. Der Stiefvater vergewaltigte Klara mehrmals anal, während die Mutter teilnahmslos danebenlag. „Eine andere Folterart von ihm war, nachts in mein Zimmer zu kommen, mich bis zur Bewusstlosigkeit zu würgen“, schildert Klara. „Dann stellte er mich unter die kalte Dusche, bis ich wieder zu mir kam.“

Selbst als eine Freundin und später ein Lehrer die Misshandlungen bemerkten, konnten sie nicht helfen. Die Mutter machte den Lehrer mit falschen Vorwürfen sexueller Übergriffe mundtot.

Flucht und der lange Weg zur Heilung

Mit 15 Jahren floh Klara endgültig und fand Zuflucht in der Hamburger Schwulenszene. Ein Freund beantragte erfolgreich die Vormundschaft. Danach begann der jahrelange Heilungsprozess mit Psychologen und ärztlichen Untersuchungen.

Der Antrag auf Opferentschädigung gestaltete sich schwierig. Ein Gutachten behauptete zunächst, eine Vergewaltigung sei nicht nachweisbar, da das Jungfernhäutchen intakt sei – der Stiefvater hatte Klara jedoch ausschließlich anal vergewaltigt.

Die emotionale Reaktion der Gutachterin

Erst nach vier Jahren bekam eine neue Gutachterin den Fall. Sie ließ Klaras Bruder verhören, der die Gewaltvorfälle bestätigte. „Die Gutachterin sagte zu mir, dass sie alle Akten in meinem Fall gelesen habe“, berichtet Klara. „Die waren so heftig, dass sie ihre Arbeit mehrmals unterbrechen musste, rausging um zu weinen. Zugleich sorgte die Gutachterin dafür, dass mein Antrag schnell bewilligt wurde.“

Das Brandenburger Landesamt für Soziales und Versorgung bewilligte schließlich die Opferentschädigung nach dem Opferentschädigungsgesetz. Die monatliche Zahlung spiegelt den hohen Grad der Schädigung wider.

Statistiken zur häuslichen Gewalt in Brandenburg

Die Zahlen sind erschreckend:

  1. 2025 wurden in der Prignitz 291 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet (2024: 289)
  2. In ganz Brandenburg waren es 6.434 Fälle (2024: 6.790)
  3. In der Prignitz gab es 18 sexuelle Missbräuche von Kindern, einen Fall mehr als im Vorjahr
  4. In ganz Brandenburg wurden 445 Fälle registriert (2024: 413)

Hinzu kommt die hohe Dunkelziffer von Fällen, die aus Angst oder Scham nicht angezeigt werden.

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Ein neues Leben in der Prignitz

Heute lebt Klara mit ihrem Mann Michael in der Prignitz. „Mit Michael habe ich mein Glück gefunden“, sagt sie hoffnungsvoll. „Und in der Prignitz habe ich meinen Platz gefunden, wo ich die Grausamkeiten in vielen schönen Momenten in den Hintergrund schieben kann. Vergessen geht aber leider nicht.“

Weder Mutter noch Stiefvater wurden je bestraft – ihre Taten waren bei Bekanntwerden bereits verjährt. Klara jedoch leidet weiter unter den Folgen. Ihr Mann Michael appelliert: „Wenn jemand misshandelt wird, bitte nicht wegsehen!“