Ricarda Langs Erfahrung mit digitaler Gewalt: Vom Deepfake-Porno bis zur politischen Forderung
Die ehemalige Grünen-Chefin Ricarda Lang hat in einem aktuellen Interview mit dem Spiegel eindringlich über ihre persönlichen Erfahrungen mit digitaler Gewalt gesprochen. Die Politikerin berichtet, dass sie seit Beginn ihrer politischen Karriere mit Diffamierungen und Bedrohungen im Netz konfrontiert ist. Besonders schlimm sei jedoch ein Deepfake-Porno, der sie zeige, obwohl es sich dabei um eine künstlich generierte Fälschung handelt.
Das Gefühl der Ohnmacht: Wie ein Deepfake-Porno wirkt
Lang beschreibt die emotionale Wirkung solcher manipulierten Inhalte als besonders verletzend: „So ein Deepfake-Porno fühlt sich schlimmer an als jede Beleidigung. Dreidimensionaler, persönlicher“, erklärt sie. Obwohl sie rational wisse, dass es sich um einen Fake handle, entstehe dennoch ein tiefes Gefühl der Verletzung. Der eigene Körper werde instrumentalisiert, entweder zur Befriedigung oder zur Erniedrigung, was bei den Betroffenen ein starkes Ohnmachtsgefühl auslöse.
Deepfakes sind täuschend echte, mit Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugte oder manipulierte Bilder, Videos und Audioaufnahmen, die in den letzten Jahren zunehmend zur Verbreitung von Falschinformationen und zur gezielten Diffamierung eingesetzt werden.
Warum Lang nicht juristisch gegen den Deepfake vorging
Interessanterweise hat sich die Politikerin entschieden, nicht rechtlich gegen den spezifischen Deepfake-Porno vorzugehen. „Ich fürchte, dass das wahnsinnig viel Zeit in Anspruch nehmen würde, die mein Büro und ich anders einsetzen können“, begründet Lang ihre Entscheidung. Zudem seien solche manipulierten Inhalte schnell neu produziert, was einen dauerhaften rechtlichen Kampf erforderlich machen würde.
Der Zehn-Punkte-Plan gegen sexualisierte Digitalgewalt
Statt individueller Klagen setzt Lang auf politische Lösungen. Gemeinsam mit weiteren prominenten Frauen hat sie einen Zehn-Punkte-Plan gegen sexualisierte Digitalgewalt veröffentlicht. Die zentralen Forderungen umfassen:
- Die Erstellung und Verbreitung sexualisierter Deepfakes unter Strafe zu stellen
- Ein Verbot sogenannter Nudify-Apps, mit denen gefälschte Sexbilder erstellt werden können
- Eine Verpflichtung für Internetplattformen, sexualisierte Deepfakes schnell zu entfernen
Kritik an Tech-Oligarchen und europäischer Untätigkeit
Lang übt scharfe Kritik an großen Technologieunternehmen und deren Geschäftsmodellen: „Tech-Oligarchen wie Elon Musk haben erkannt, dass sie auch mit Deepfakes und der Erniedrigung von Frauen viel Geld auf ihren Plattformen machen können“, so die Politikerin. Digitale Gewalt sei mittlerweile Teil des Geschäftsmodells geworden.
Besonders enttäuscht zeigt sich Lang über die europäische Politik: „Europa ließe sich das gefallen“, kritisiert sie. Dabei gebe es bereits ein wirksames Instrument – den Digital Services Act (DSA) der Europäischen Union. Dieser sehe unter anderem Bußgelder vor, wenn Konzerne sich nicht ausreichend um den Schutz ihrer Nutzerinnen und Nutzer bemühen.
Die Debatte um digitale Gewalt, insbesondere gegen Frauen, gewinnt durch solche persönlichen Erfahrungen prominenter Politikerinnen an Dringlichkeit. Langs Forderungen nach strengeren Regulierungen und konsequenterer Durchsetzung bestehender Gesetze könnten die politische Diskussion in den kommenden Monaten maßgeblich beeinflussen.



