Am vierten Verhandlungstag im Mordprozess um den Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow haben am Mittwoch unter anderem seine besten Freunde sowie die Klassenlehrerin als Zeugen ausgesagt. Die Kinder wurden zu ihrem Schutz per Videoschalte befragt und mussten nicht persönlich im Gerichtssaal erscheinen. Zuvor wurden mehrere Audiodateien als Beweismittel abgespielt. Auch ein Mann, der den orangefarbenen Pick-up der Angeklagten beobachtet hat, wurde in den Zeugenstand geladen. Fabians Mutter verfolgte den Prozess vor Ort im Landgericht Rostock.
Angeklagte Gina H. schweigt zu den Vorwürfen
Angeklagt ist Gina H. (30), die Freundin von Fabians Vater Matthias R. (35). Laut Staatsanwaltschaft tötete sie den Jungen im Oktober des vergangenen Jahres mit sechs Messerstichen. Das mutmaßliche Motiv steht im Zusammenhang mit Beziehungsproblemen. Die vorgespielten Sprachnachrichten zeugen von einer verzweifelten Gina H., die von Eifersucht und Geldsorgen getrieben war. Seit November sitzt sie in Untersuchungshaft und schweigt bislang zu den Vorwürfen.
Aussage des Vaters: Ausweichend und schützend
Am letzten Verhandlungstag sagte der Vater vor dem Rostocker Landgericht aus, antwortete oft ausweichend und nahm die 30-Jährige immer wieder in Schutz. R. und die Angeklagte waren bis zu ihrer vorläufigen Trennung zwei Monate vor Fabians Tod rund vier Jahre lang ein Paar. Als Gina H. bereits in Untersuchungshaft saß, kamen sie wieder zusammen. Fabians Vater musste am Mittwoch nicht mehr anwesend sein. Theoretisch könnte er als Zuschauer kommen, aber die Anwälte von Gina H. haben durchblicken lassen, dass sie das nicht möchten, da er möglicherweise später erneut als Zeuge vernommen wird.
Zeuge erkennt Gina H.s Pick-up
Am Mittwoch sagte Zeuge Franz H. aus. Er schilderte, dass er am Vortag von Fabians Verschwinden (9. Oktober 2025) gegen 14.30 Uhr vor seiner Wohnung an einer Seitenstraße der Schweriner Straße parken wollte. Dort sah er den auffälligen orangefarbenen Ford-Ranger parken. „Ich habe nur geschimpft. Der stand über zwei Parklücken. Ich dachte, derjenige will zu dem Tierarzt dahinten.“ Ob eine Person im Auto saß, konnte Franz H. nicht sagen. Später wurden Fotos des Fahrzeugs am Tatort gezeigt, und der Zeuge sagte bestimmt: „Das ist er!“
Fabians Freund: „Wäre nicht mit Fremdem mitgegangen“
Ein elfjähriger Freund von Fabian wurde per Videoschalte befragt. Richter Schütt wollte wissen: „Wäre Fabian mit einem Fremden mitgegangen, was meinst du?“ Der Junge verneinte: „Das hätte er nicht gemacht.“ Zudem berichtete der Freund von Gewaltausbrüchen des Vaters, was das Gericht besonders interessierte. Der Junge wurde anschließend als Zeuge entlassen.
Weitere Prozesstage bis September
Die Verhandlung wurde für heute geschlossen. Der Richter terminierte den Prozess mit zehn weiteren Tagen bis zum 10. September. Eigentlich war der letzte Termin zunächst für den 2. Juli angesetzt. Der Fall, der Deutschland erschüttert, wird weiterhin intensiv verhandelt.



