Xavier Naidoo schockt mit bizarren Aussagen bei Epstein-Demo vor Kanzleramt
Der Sänger Xavier Naidoo (54) sorgte am Dienstagmittag vor dem Berliner Kanzleramt für Aufsehen. In schwarzem Wintermantel mit Pelzkragen, Schiebermütze und Sonnenbrille tauchte er scheinbar zufällig bei einer angemeldeten Demonstration auf, die sich eigentlich dem Thema Kindesmissbrauch widmen sollte. Doch als die eigentliche Kundgebung längst von der Polizei aufgelöst war, verstörte Naidoo mit wirren Aussagen über "Kinderfresser" und Menschen, die "unsere Babys fressen".
Demo nach der Demo mit rechtsgerichteten Trittbrettfahrern
Die ursprüngliche Demonstration war von 12 bis 15 Uhr genehmigt und stand unter dem Motto "Sexuelle Gewalt an Kindern stoppen". Anlass waren neu veröffentlichte Dokumente über den verstorbenen Sex-Straftäter Jeffrey Epstein. Nach offizieller Auflösung der Demo versammelten sich jedoch plötzlich Menschen um den bekannten Popstar. Laut dem Musikmagazin "Rolling Stone" handelte es sich dabei um rechtsgerichtete Trittbrettfahrer, die den Epstein-Skandal für ihre Agenda ausschlachten wollten.
Die Kundgebung mit Naidoo als prominentem Sprachrohr wurde vom Videokanal des rechtsextremen Netzwerks "Compact" und weiteren YouTube-Kanälen aus dem Verschwörungs-Milieu medial begleitet. Naidoo ließ sich bereitwillig von Teilnehmern interviewen, die teilweise für zweifelhafte YouTube-Kanäle zu arbeiten schienen.
Von ruhigen Antworten zu aggressiven Verschwörungstheorien
Zunächst antwortete Naidoo noch vergleichsweise ruhig auf Fragen zum Thema Kindesmissbrauch: "Mir geht's hier nicht um die Rehabilitierung, sondern darum, dass wir einen Ansatz finden, wie wir den Kindern helfen können." Als ein Demonstrant weinend von seinem eigenen sexuellen Missbrauch durch seinen Vater erzählte, ging Naidoo zu ihm und umarmte ihn.
Doch die Stimmung kippte, als Naidoo nach den Epstein-Akten gefragt wurde. Der Ton wurde aggressiver: "Es wird Konsequenzen geben. Wir müssen jetzt erst mal die Fälle und das ganze System auseinandernehmen und die wahre Tragweite erfassen. Aber dass es Konsequenzen geben muss für Menschen, die unsere Kinder fressen, das ist, glaube ich, jedem klar."
Der Sänger steigerte sich in immer bizarrere Aussagen hinein: "Die fressen unsere Babys, verdammt nochmal!" und "Ich kann nicht mit Kinderfressern zusammenleben!". Er schwurbelte über Menschen, die "selbst Kannibalen sind" und ein Interesse daran hätten, "dass wir alle Kannibalen werden, damit wir alle in die Hölle runterfahren".
Versuche, Kanzler Merz zu sprechen und Expertenwarnungen
Nach diesen Aussagen begab sich Naidoo, begleitet von applaudierenden Demonstranten, zur Klingel des Kanzleramts. Er bat Polizisten: "Können Sie dem Herrn Merz bitte sagen, dass wir ihn gerne sprechen würden?" Er wurde zu einem anderen Eingang geschickt, doch auf dem Weg dorthin von einem Polizisten gestoppt und gebeten, den Bereich rund um das Bundeskanzleramt zu verlassen.
Der baden-württembergische Antisemitismus-Beauftragte Michael Blume (49) bewertet Naidoos Wortwahl gegenüber der "dpa" als radikalisierend: "In der Vergangenheit hat Xavier Naidoo mit sehr deutlichen Anspielungen wie 'Tothschild' die Spur zum Antisemitismus gelegt und dies leider nicht glaubwürdig aufgearbeitet. Ein großer Teil seiner Anhängerschaft wird daher auch die Begriffe 'Kinderfresser' und 'Menschenfresser' als antijüdische Verschwörungsmythen aufnehmen."
Blume wies darauf hin, dass es seit Jahrhunderten antisemitische Verschwörungserzählungen gibt, die besagen, dass Juden aus rituellen Gründen kleine Kinder töten. Die Wortwahl Naidoos sei daher besonders gefährlich.
Naidoos Geschichte mit Verschwörungserzählungen
Xavier Naidoo verbreitete über die Jahre immer wieder verschiedenste Verschwörungserzählungen. Er behauptete mehrfach, Deutschland sei "immer noch ein besetztes Land". Viele seiner Thesen waren im Reichsbürger-Milieu verortet und enthielten Elemente von Judenhass und wirren Verschwörungslügen. Auch die Corona-Pandemie hatte Naidoo lange geleugnet.
Die aktuelle Episode vor dem Kanzleramt ereignete sich nur zwei Monate nach seiner ausverkauften Comebacktour. Der Sänger schießt sich damit erneut ins Abseits. Auf eine BILD-Anfrage hat sich bislang weder Xavier Naidoo noch sein Management zurückgemeldet.



