Neonazi Liebich nach internationaler Fahndung in Tschechien gefasst
Der verurteilte und untergetauchte Neonazi Marla-Svenja Liebich (55) wurde im tschechischen Luby, deutsch Schönbach, festgenommen. Diese Bestätigung erfolgte durch Oberstaatsanwalt Dennis Cernota gegenüber Medien. Die Festnahme basierte auf einem Europäischen Haftbefehl und erfolgte am Donnerstagmittag in der Grenzregion bei Asch.
Verdeckte Ermittlungen und gescheiterter Fluchtversuch
Der Festnahme gingen intensive, verdeckt geführte Ermittlungen voraus. Beim Zugriff der Behörden versuchte Liebich noch zu fliehen, was jedoch erfolglos blieb. Interessanterweise wurde der Rechtsextremist in Männerkleidung und mit einer rasierten Glatze angetroffen, was auf einen bewussten Tarnungsversuch hindeutet.
Internationale Zusammenarbeit führt zum Erfolg
„Es gab in der jüngeren Vergangenheit eine enge Zusammenarbeit zwischen der Polizeiinspektion Halle/Saale in Sachsen-Anhalt und den tschechischen Behörden“, erklärte Oberstaatsanwalt Dennis Cernota. Diese Kooperation erwies sich als entscheidend für die erfolgreiche Festnahme. Nun wird ein formales Auslieferungsverfahren eingeleitet, mit dem klaren Ziel der Überstellung des Verurteilten von Tschechien nach Deutschland. Experten rechnen jedoch damit, dass dieser Prozess mehrere Tage bis Wochen in Anspruch nehmen könnte.
Hintergrund: Verurteilung und Geschlechtswechsel
Im Jahr 2023 wurde Liebich wegen Volksverhetzung zu 18 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Kurz nach Inkrafttreten des neuen Selbstbestimmungsgesetzes im November 2024 nutzte der Neonazi die Möglichkeit, sein Geschlecht offiziell zu wechseln und nahm den Namen Marla-Svenja an. Seine anschließende Forderung, die Haftstrafe in einem Frauengefängnis antreten zu dürfen, wurde zunächst von der Justiz akzeptiert. Doch zum geplanten Haftantritt im August 2025 erschien Liebich nicht und tauchte unter.
Zuletzt hatte Liebich angekündigt, sich nicht mehr als Frau, sondern als non-binär zu identifizieren, also außerhalb des klassischen Zwei-Geschlechter-Systems. Für eine erneute offizielle Namens- und Geschlechtsänderung müsste Liebich jedoch persönlich bei der zuständigen Behörde vorsprechen, was angesichts der aktuellen Festnahme unwahrscheinlich erscheint.
Bekannte Person des Rechtsextremismus
Marla-Svenja Liebich, der ursprünglich den Namen Sven trug, gilt als einer der bekanntesten Rechtsextremisten Deutschlands. Bereits 2021 war er auf Demonstrationen in Halle aktiv und wurde aufgrund verschiedener Delikte wie Volksverhetzung, Beleidigung und übler Nachrede verurteilt. Die aktuelle Festnahme markiert einen wichtigen Erfolg für die Strafverfolgungsbehörden im Kampf gegen den organisierten Rechtsextremismus.



