Kriminalstatistik in Niedersachsen: Gesamtstraftaten sinken, Messergewalt steigt
Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) hat die aktuellen Kriminalitätszahlen für das Jahr 2025 vorgestellt. Während die Gesamtzahl der Straftaten im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen ist, bereiten die zunehmenden Messerangriffe den Behörden erhebliche Sorgen. Die Landesregierung reagiert darauf mit der Ankündigung von Waffenverbotszonen im öffentlichen Nahverkehr.
Rückgang der Gesamtkriminalität, aber alarmierende Trends bei Messerattacken
Im Jahr 2025 wurden in Niedersachsen insgesamt 506.634 Straftaten registriert. Das bedeutet einen deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahr, als noch 529.264 Delikte erfasst wurden. Innenministerin Daniela Behrens zeigte sich erfreut über diese Entwicklung und betonte: „Niedersachsen ist im vergangenen Jahr noch sicherer geworden.“ Sie geht davon aus, dass das Land aufgrund der sinkenden Fallzahlen und einer stabilen Aufklärungsquote im bundesweiten Vergleich eine vordere Position einnehmen wird.
Doch dieser positive Trend wird durch die steigende Zahl von Messerangriffen getrübt. Landespolizeipräsident Axel Brockmann sprach von Fallzahlen, die „auf deutlich zu hohem Niveau“ liegen. Im Vergleich zu 2024 gab es 130 zusätzliche Messerangriffe, wodurch die Gesamtzahl auf 3.185 Fälle anstieg. Besonders besorgniserregend ist, dass 87 Prozent der Tatverdächtigen männlich waren.
Maßnahmen der Landesregierung: Waffenverbot im öffentlichen Nahverkehr
Angesichts dieser Entwicklung kündigte Innenministerin Behrens konkrete Gegenmaßnahmen an. Das Ministerium wird ein landesweites Waffenverbot im öffentlichen Nahverkehr erlassen, das zeitnah in Kraft treten soll. Dieses Verbot umfasst Busse, Bahnen, Fähren sowie Bahnhofsgebäude, Bahnsteige und Unterführungen, wie Polizeipräsident Brockmann erläuterte. Die Ministerin forderte: „Wir müssen repressiv mit aller Konsequenz gegen Messerangriffe vorgehen und den Schutz der Bürgerinnen und Bürger auch präventiv weiter stärken.“
Bei den Messerangriffen machten Bedrohungen mit 1.739 Fällen mehr als die Hälfte (54,6 Prozent) aus. Allerdings sank die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen im Zusammenhang mit Messerangriffen um 112 auf 766 Fälle. Dies zeigt, dass die Gewalt zwar zunimmt, aber in ihrer Schwere teilweise abnimmt.
Einfluss der Cannabis-Entkriminalisierung auf die Statistik
Ein erheblicher Anteil am Rückgang der Gesamtstraftaten ist auf die Entkriminalisierung von Cannabis zurückzuführen. Im Jahr 2025 wurden hier 5.572 Fälle weniger erfasst als im Vorjahr. Innenministerin Behrens warnte jedoch davor, diesen Rückgang als rein positiven Effekt zu bewerten. Sie bezeichnete ihn als „trügerisch“ und erklärte: „Der gewachsene Bedarf an Cannabis kann weder durch den Eigenanbau noch durch Anbauvereinigungen gedeckt werden. Es ist deshalb naheliegend, dass die Beschaffung auch im Bereich von Cannabis zu einem großen Teil weiterhin auf dem illegalen Markt erfolgt.“
Die niedersächsische Landesregierung betont, dass trotz des allgemeinen Rückgangs der Kriminalität die Bekämpfung von Messergewalt oberste Priorität hat. Die geplanten Waffenverbotszonen sollen dazu beitragen, die Sicherheit der Bevölkerung im öffentlichen Raum zu erhöhen und potenzielle Täter abzuschrecken.



