Norwegens „Bonus-Prinz“ vor Urteil: Vergewaltigungsprozess gegen Marius Borg Høiby geht in die Schlussphase
Norwegens „Bonus-Prinz“ vor Urteil: Vergewaltigungsprozess geht in Schlussphase

Norwegens „Bonus-Prinz“ vor Urteil: Vergewaltigungsprozess gegen Marius Borg Høiby geht in die Schlussphase

Sechs Wochen lang hat der Prozess gegen Marius Borg Høiby, den Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, das skandinavische Land in Atem gehalten. Nun stehen die Plädoyers an, und die Frage nach dem Urteil für den 29-jährigen Stiefsohn von Kronprinz Haakon drängt sich auf. Der Prozess in Oslo hat verstörende Details, emotionale Aussagen und zahlreiche Tränen hervorgebracht.

Schwere Vorwürfe in 40 Anklagepunkten

Høiby steht in insgesamt 40 Punkten unter Anklage, wobei vier Fälle als Vergewaltigung nach norwegischem Recht bewertet werden. In drei dieser Fälle soll er die mutmaßlichen Opfer im Genitalbereich berührt haben, während diese schliefen. Der schwerste Vorwurf betrifft einen Fall, in dem er Geschlechtsverkehr mit einer Frau gehabt haben soll. Zusätzlich wird ihm vorgeworfen, die Opfer ohne deren Wissen gefilmt und fotografiert zu haben.

Die Hälfte der Anklagepunkte konzentriert sich auf eine Ex-Freundin, die in norwegischen Medien als „Frogner-Frau“ bezeichnet wird. Ein Vorfall in ihrer Wohnung im August 2024 löste die Ermittlungen aus. Dort soll Høiby die Frau gewürgt, einen Kronleuchter von der Decke gerissen und ein Messer in die Wand geworfen haben. Trotz eines Kontaktverbots sahen sich beide bis kurz vor Prozessbeginn weiterhin, und Høiby schickte ihr sogar zum Valentinstag Blumen aus der U-Haft.

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Mehrere mutmaßliche Opfer treten auf

Neben der „Frogner-Frau“ haben im Laufe des Prozesses eine weitere Ex-Freundin, eine Influencerin, sowie mehrere One-Night-Stands ausgesagt. Die Influencerin beschrieb ihre Beziehung mit Høiby zwischen 2022 und 2023 als stürmisch und gewalttätig, mit Würgeattacken, Drohungen und körperlichen Übergriffen. „Es fühlt sich an, als stünde ein Pitbull direkt vor dir“, zitierte die Zeitung „Verdens Gang“ die Frau.

Weitere Vorwürfe reichen bis ins Jahr 2018 zurück, als Høiby eine Bekannte in der Residenz des Kronprinzenpaares im Genitalbereich berührt und gefilmt haben soll, während sie einen Blackout hatte. Ein anderes mutmaßliches Opfer lernte er 2023 auf den Lofoten kennen, wo er sie nach einvernehmlichem Sex im Schlaf vergewaltigt haben soll. Im März 2024 folgte ein weiterer Fall in Oslo, bei dem er eine Frau nach einvernehmlichem Sex im Schlaf berührt und gefilmt haben soll. Im November 2024, Monate nach seiner ersten Festnahme, soll er schließlich eine Frau in einem Hotelzimmer in Oslo auf ähnliche Weise missbraucht haben, wobei Ermittler 27 Videos aus der Nacht sicherstellten.

Ablauf des sechswöchigen Prozesses

Der Prozess erstreckte sich über sechs Wochen, in denen alle Vorwürfe detailliert aufgearbeitet wurden. Über 800 SMS wurden vorgelesen, und Zeugen wie Freunde, Nachbarn, Familienmitglieder, ein Schlafforscher, Psychologen, Ärzte und Ermittler wurden befragt. Jeder Fall begann mit den Aussagen der mutmaßlichen Opfer, gefolgt von Høibys Version der Ereignisse. Zum Ende hin wurden auch weniger schwere Vergehen behandelt, wie zu schnelles Fahren, das Zeigen eines Stinkefingers gegenüber Polizisten und der Transport von 3,5 Kilogramm Marihuana für einen Dealer.

Høibys Auftreten vor Gericht

Vor Gericht betonte Høiby wiederholt, wie sehr er sich seit seiner Kindheit von den Medien verfolgt fühle und unter seiner ungewollten Prominenz leide. Mehrfach brach er in Tränen aus, wenn es um seine Kindheit ging. Während er einige Anklagepunkte, darunter Fälle häuslicher Gewalt, zugab, bestritt er die schwersten Vorwürfe der Vergewaltigung vehement. Er zeigte teilweise Reue für seinen Umgang mit Ex-Freundinnen, verstrickte sich aber auch in widersprüchliche Aussagen oder gab an, sich aufgrund von Alkohol- oder Drogenrausch nicht erinnern zu können. Trotz seines emotionalen Auftretens wirkte er überwiegend gefasst und antwortete meist ruhig auf Fragen.

Abwesenheit der Königsfamilie

Die norwegische Königsfamilie, insbesondere Kronprinzessin Mette-Marit und Kronprinz Haakon, blieb dem Prozess fern. Im Vorfeld hatte das Kronprinzenpaar erklärt, sich nicht zu dem Verfahren äußern und nicht auf der Zuschauerbank Platz nehmen zu wollen. Das Königshaus hat derzeit mit anderen Problemen zu kämpfen, darunter dem Skandal um Mette-Marits Freundschaft zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.

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Ausblick auf das Urteil

In der letzten Prozesswoche halten ab dem 16. März Staatsanwaltschaft, Kläger-Anwälte und Høibys Verteidiger ihre Plädoyers. Beobachter gehen davon aus, dass Høiby eine Haftstrafe nicht entgehen wird – allein für die Taten, die er eingeräumt hat. Die Höhe der geforderten Haftstrafe wird voraussichtlich am Dienstag bekannt gegeben, doch bis zur Urteilsverkündung könnten noch mehrere Monate vergehen. Der Fall hat Norwegen tief erschüttert und wirft ein Schlaglicht auf die dunklen Seiten des königlichen Umfelds.