Prozessauftakt nach sieben Jahren: Angeklagte bestreitet Beteiligung an spektakulärem Überfall
Vor dem Landgericht Wuppertal hat am Donnerstag ein aufsehenerregender Prozess begonnen. Die 41-jährige Amany D. aus Dortmund muss sich wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes verantworten. Die Anklage wirft ihr vor, gemeinsam mit ihrem Ehemann Badih D. (48) im Januar 2019 einen Geldtransporterüberfall in Solingen geplant und durchgeführt zu haben. Bei der Tat wurden zwei Sicherheitsleute mit Panzertape und Kabelbindern gefesselt und 526.000 Euro erbeutet.
Die Details des Überfalls: Ein Insider als Schlüsselfigur
Laut Anklage hatte Badih D., damals Mitarbeiter einer Wach- und Schließgesellschaft, den Überfall auf seine eigene Firma wegen privater Geldprobleme organisiert. Er soll dafür gesorgt haben, dass nur eine unbewaffnete Kollegin mit ihm den Keller der Sparkasse betrat, um Geldautomaten zu befüllen. Dort warteten bereits Komplizen, überwältigten die Frau und klebten ihr mit Panzertape die Augen zu. Damit sie nicht sehen konnte, wie Badih D. half, das Geld in eine Sporttasche zu packen. Um den Überfall authentisch wirken zu lassen, wurde anschließend auch er gefesselt.
Die Flucht und das fehlende Geld
Nach dem Überfall soll Amany D. mit einem Komplizen und der Beute die Bank verlassen haben. Ihre Halbschwester brachte sie mit dem Auto nach Dortmund. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Ehepaars fand die Polizei später nur noch 344.100 Euro. Bis heute fehlen 181.900 Euro aus der Beute. Drei der Beteiligten wurden bereits drei Monate nach der Tat gefasst und 2020 verurteilt. Amany D. tauchte dagegen jahrelang im Libanon unter und konnte erst im Oktober 2024 nach ihrer Wiedereinreise festgenommen werden.
Widersprüchliche Aussagen und familiäre Dramen im Gerichtssaal
Im Prozess bestritt die Angeklagte jede Beteiligung. Sie behauptet, zur Tatzeit bei ihren Kindern in Dortmund gewesen zu sein. Allerdings hatten die drei bereits verurteilten Komplizen – ihr Ehemann, ihre Halbschwester und deren damaliger Freund – bei ihrer Verurteilung 2020 Amany D. als Mittäterin benannt. Im aktuellen Prozess belasteten Halbschwester und Ex-Freund die Angeklagte erneut. Ihr Ehemann Badih D., der seit Oktober 2022 wieder auf freiem Fuß ist und dessen Restfreiheitsstrafe bis November 2026 zur Bewährung ausgesetzt ist, rückte dagegen von früheren Aussagen ab.
Er habe seine Frau nur unter Druck belastet, erklärte Badih D. vor Gericht. Sein damaliger Anwalt habe ihm einen Zettel gezeigt, auf dem auf Arabisch stand: „Deine Frau ist im Libanon, achte darauf, was du sagst, folge den Anwälten.“ Belege für diese Behauptung gibt es nicht. Während seine Frau im Gerichtssaal auf der Anklagebank saß, wartete Badih D. mit dem gemeinsamen Baby auf dem Flur auf seine Aussage. Der Prozess hatte sich unter anderem wegen der Geburt des dritten Kindes der Angeklagten im Dezember 2025 verzögert.
Nebenklägerin leidet an posttraumatischer Belastungsstörung
Die überfallene Ex-Kollegin von Badih D. nimmt als Nebenklägerin mit ihrem Anwalt Carsten Rebber am Prozess teil. Sie leidet seit dem Überfall an posttraumatischer Belastungsstörung. Rebber kommentierte die Verteidigungsstrategie der Angeklagten gegenüber Medien: „Diese Verteidigungsstrategie ist aus unserer Sicht zum Scheitern verurteilt. Neben den Aussagen der anderen Komplizen gibt es objektive Beweise, dass die Angeklagte am Tatort war.“
Der Prozess wird fortgesetzt und verspricht weitere dramatische Entwicklungen. Die Staatsanwaltschaft geht von einer klaren Mittäterschaft der Angeklagten aus, während die Verteidigung auf ihre Unschuld pocht. Die Beweisaufnahme wird zeigen, ob die Aussagen der Komplizen und die objektiven Beweise ausreichen, um Amany D. zu überführen.



