Rentner (73) vor Gericht: Drogenschmuggel für den Lebensabend in Spanien
Rentner schmuggelte kiloweise Drogen für Spanien-Traum

Rentner (73) schmuggelte kiloweise Drogen für den Traum vom Süden

Im braunen Pullover, Jeans und olivfarbenen Parka betritt Rainer W. den Gerichtssaal des Landgerichts Wuppertal. Sein Anwalt Karsten Possemeyer erwartet ihn bereits. Der 73-Jährige aus Gelsenkirchen, einst Rundfunktechniker mit geregeltem Leben, steht nun als mutmaßlicher Drogenschmuggler vor Gericht. Die Beweislage ist erdrückend, denn sein Fahrzeug war verwanzt – die Ermittler verfolgten nicht nur seine Routen, sondern auch die Gespräche über Drogendeals im Auto.

Verwanztes Auto und kiloweise Rauschgift

Die Anklageschrift umfasst 40 Seiten und listet beeindruckende Mengen auf: Rund 10 Kilogramm Kokain, etwa 23 Kilogramm Marihuana, circa 24,5 Kilogramm Amphetamin, 22 Liter Amphetamin-Öl und 2 Kilogramm Haschisch. Zwischen Januar und November 2024 soll der Rentner zwölf Mal die deutsch-niederländische Grenze überquert haben. Obwohl er das größte Risiko trug, wurde er pro Fahrt mit lediglich 100 bis 1000 Euro entlohnt, während ein Kilo Kokain den anderen Beteiligten etwa 30.000 Euro einbrachte.

Bei seiner letzten Fahrt wurde Rainer W. im Mai 2025 in Krefeld erwischt und zu 3 Jahren und 8 Monaten Haft verurteilt. Die aktuelle Verhandlung behandelt die restlichen elf Touren. Mitangeklagter ist Marvin M. (35) aus Herdecke, von dem W. laut Anklage die Aufträge für die Schmuggelfahrten erhalten haben soll. Ein dritter Verdächtiger wird gesondert ermittelt.

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Der Traum vom Lebensabend in Spanien

Das Motiv des Rentners ist ebenso tragisch wie eindeutig: „Ich habe eine Mietwohnung in Spanien und wollte dort meinen Lebensabend verbringen.“ Monatlich schickte er 1200 Euro zu seiner kubanischen Lebensgefährtin. Doch Rainer W. hat auch erhebliche Schulden – mehr als 100.000 Euro, wie er vor Gericht angab. Seit seiner Lungenkrebserkrankung zwischen 2005 und 2008 bezieht er eine Erwerbsminderungsrente von etwa 1500 Euro monatlich und ist zu 80 Prozent schwerbehindert.

Vom Rundfunktechniker zum Spieler

Sein Lebenslauf zeigt einen dramatischen Abstieg: Nach der Volksschule absolvierte W. eine Lehre als Rundfunktechniker und arbeitete in einem gut bezahlten Job. 1992 baute sein Unternehmen Stellen ab, und Rainer W. nahm eine sechsstellige Abfindung. Auf die Frage des Richters, was er danach beruflich machte, antwortete er knapp: „Spieler.“ Ob er erfolgreich war, wollte der Richter wissen. „Ja“, sagte W., „aber nur bis März 2015.“ Von dieser Pechsträhne erholte er sich offenbar nie mehr.

Die Verhandlung soll am 24. März fortgesetzt werden. Dann wollen beide Angeklagte Geständnisse ablegen. Ihnen drohen sechseinhalb bis siebeneinhalb Jahre Haft, wobei die bereits verhängte Freiheitsstrafe gegen Rainer W. angerechnet wird. Statt im sonnigen Süden wird der Rentner seinen Lebensabend wohl hinter Gittern verbringen.

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