Hand in Hand mit seiner Frau Lea verlässt Richard Glossip das Gefängnis – nach 29 Jahren. Der 63-Jährige war neunmal zum Tode verurteilt worden, dreimal saß er bereits die Henkersmahlzeit. Jetzt ist er unter Auflagen auf Kaution frei und wartet außerhalb des Gefängnisses auf einen neuen Prozess.
Glossip: „Ich bin einfach dankbar“
„Ich bin einfach dankbar für meine Frau und meine Anwälte. Einfach dankbar“, sagte er beim Verlassen des Gefängnisses. „Es ist überwältigend und gleichzeitig auch unglaublich.“ 1997 war Glossip für den Auftragsmord an seinem Chef zum Tode verurteilt worden. Der Motelbesitzer Barry Van Treese war mit einem Baseballschläger zu Tode geprügelt worden.
Nur eine Aussage brachte Mann in Todeszelle
Der verurteilte Mörder Justin Sneed (damals 19 und drogenabhängig) beschuldigte Glossip, damals Manager des Motels, der Anstiftung zum Mord. Dafür entging er der Todesstrafe, bekam lebenslang. Glossip, der stets seine Unschuld beteuerte, wurde zum Tode verurteilt – nur durch die Aussage Sneeds, die der Oberste Gerichtshof als „äußerst schwach“ bezeichnete. Deshalb hoben die Richter bereits im Februar 2025 das Urteil auf. Doch erst jetzt konnte Glossip das Gefängnis gegen Auflagen verlassen – und darf in Freiheit auf einen neuen Prozess warten.
Richterin: Staat soll Fall mit Nachdruck verfolgen
Richterin Natalie Mai: „Das Gericht erwartet ausdrücklich, dass der Staat seinen Fall künftig mit Nachdruck verfolgen wird (…) Das Gericht hofft, dass ein neuer Prozess, frei von Fehlern, allen Beteiligten und den Bürgern Oklahomas den Abschluss bringt, den sie verdienen.“
Verurteilter „überlebt“ neun Hinrichtungstermine
Wie knapp der Mann, der 29 Jahre im Gefängnis saß, der Todesstrafe entging, ist kaum zu glauben: Neunmal wurde ein Hinrichtungstermin angesetzt. Dreimal bekam Glossip seine letzte Mahlzeit serviert. 2015 wartete er in einer Zelle neben der Kammer mit der Giftspritze. Doch die gelieferten Medikamente entsprachen nicht den Protokollen. Geliefert wurde Kaliumacetat statt des vorgeschriebenen Kaliumchlorids. Die Exekution wurde gestoppt.
Bis zur Neuverhandlung (Start: 23. Juni) muss Glossip eine elektronische Fußfessel tragen, 500.000 Dollar Kaution hinterlegen. Dafür hofft der ehemalige Todeskandidat auf Spenden. Zu den prominenten Unterstützern, die sich für Glossips Freilassung einsetzten, gehören Schauspielerin Susan Sarandon (79) und Reality-Star Kim Kardashian (45).



