Rostock: Sicherheitsgefühl der Bevölkerung sinkt dramatisch
Die Hansestadt Rostock steht vor einer besorgniserregenden Entwicklung: Immer weniger Einwohner fühlen sich in ihrer Stadt sicher. Während im Jahr 2019 noch 80 Prozent der Befragten ein sicheres Gefühl angaben, ist dieser Anteil bis 2025 auf nur noch 67 Prozent gesunken. Diese alarmierenden Zahlen gehen aus der jüngsten kommunalen Bürgerumfrage hervor und zeigen einen deutlichen Trend zur Verunsicherung.
Angsträume bestimmen das Stadtbild
Besonders beunruhigend ist die zunehmende Bedeutung sogenannter Angsträume. Laut der Umfrage gaben 70 Prozent der Rostocker an, dass es in ihrer Stadt Orte gibt, die sie bewusst meiden. In den beiden vorherigen Befragungen lag dieser Wert noch unter 60 Prozent. Julia Kristin Pittasch, Fraktionsvorsitzende der FDP/Unabhängigen, warnt: „Ein steigendes Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung ist ein Alarmzeichen und muss allen zu denken geben.“
Doberaner Platz und Wallanlagen als Problemzonen
Konkret benennen die Bürger vor allem zwei Orte als Angsträume: Mit 29 Prozent der Nennungen führen die Wallanlagen im Stadtzentrum die Liste an, gefolgt vom Doberaner Platz in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV), den knapp jeder vierte Befragte meidet. Besonders erschreckend: Mehr als 80 Prozent der weiblichen Umfrageteilnehmer gaben an, diese Bereiche bewusst zu umgehen.
Die Sicherheitsdebatte um diese Orte ist nicht neu. Bereits Ende 2024 hatte die Polizei nach zahlreichen Gewaltdelikten ihre Präsenz in diesen Gebieten erhöht. Doch offenbar reichen diese Maßnahmen nicht aus, um das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu verbessern.
Politische Debatte über Lösungsansätze
Die Rostocker Politik ist sich uneins über den richtigen Weg zur Verbesserung der Situation:
- FDP/Unabhängige und SPD/Grüne fordern mehr Präsenz von Ordnungskräften, bessere Beleuchtung dunkler Bereiche und konsequente Beseitigung von Verschmutzungen. Thoralf Sens (SPD) und Felix Winter (Grüne) betonen: „Wenn man Lampen aufstellt, fühlen sich die Leute gleich sicherer.“ Winter weist jedoch darauf hin, dass die objektive Kriminalitätsstatistik in Rostock seit Jahren rückläufig sei.
- Die Linke spricht unter Fraktionschef Christian Albrecht von einer „Scheindebatte“. Er argumentiert, dass sich statistisch nicht herleiten lasse, dass der Doberaner Platz unsicherer sei als andere Plätze in Rostock. Videoüberwachung würde das Sicherheitsgefühl nicht verbessern.
- CDU und AfD fordern dagegen konkrete Maßnahmen. CDU-Fraktionschefin Chris Günther warnt vor der Entstehung von „No-Go-Areas“ und plädiert für Videoüberwachung, einen KTV-Vogt für verstärkte Ordnungskontrollen, bessere Beleuchtung und ein neues Sicherheitskonzept. Michael Meister (AfD) unterstützt den Ausbau der Videoüberwachung, besonders in den Wallanlagen.
Subjektive versus objektive Sicherheit
Ein zentraler Punkt der Debatte ist die Diskrepanz zwischen subjektivem Sicherheitsgefühl und objektiver Sicherheitslage. Während die Kriminalitätsstatistik einen Rückgang verzeichnet, fühlen sich immer mehr Menschen unsicher. Felix Winter von den Grünen betont: „Sicherheit ist immer ein subjektives Gefühl.“ Die Herausforderung besteht darin, Maßnahmen zu finden, die sowohl die tatsächliche Sicherheit erhöhen als auch das Sicherheitsempfinden der Bürger verbessern.
Die Diskussion in Rostock zeigt exemplarisch, wie komplex das Thema Sicherheit in modernen Städten ist. Es geht nicht nur um Polizeipräsenz und Überwachungstechnik, sondern auch um Stadtplanung, Beleuchtungskonzepte und das allgemeine Wohlbefinden der Bürger in ihrem urbanen Umfeld.



