Rulantica-Prozess: Ein Vater klagt an - Wie ein Verbrechen Familien zerstört
Rulantica-Prozess: Vater klagt Mitarbeiter und Polizei an

Rulantica-Prozess: Ein Vater klagt an - Wie ein Verbrechen Familien zerstört

Im Gerichtssaal sitzt der Vater nur wenige Meter entfernt von dem Mann, der seine Tochter aus dem Erlebnisbad Rulantica gelockt und sexuell missbraucht haben soll. Während er von der stundenlangen, verzweifelten Suche nach seinem Kind erzählt, wippt er unruhig mit dem Fuß und seine Stimme bricht. Der mutmaßliche Entführer hört mit verschränkten Armen und starr zum Boden gerichtetem Blick zu, wie eine Dolmetscherin die Worte ins Rumänische übersetzt.

Schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter und Polizei

Der 41-jährige Vater macht im Prozess schwerwiegende Vorwürfe gegen die Mitarbeiter des Bades und die Polizei. Er schildert, dass niemand seine Sorgen ernst genommen habe. Immer wieder habe er die Aufsicht um Hilfe gebeten, aber erfolglos. „Die waren alle völlig uninteressiert, es wurde auch nichts weitergegeben“, sagte er vor Gericht aus. Die Videoaufnahmen seien trotz seiner Bitte nicht gesichtet, die Security und die Kasse am Ausgang nicht alarmiert worden.

Nach mehr als drei Stunden erfolgloser Suche habe es seine Frau nicht mehr ausgehalten. „Sie hat mit der Faust auf die Theke der Informationsstelle geschlagen und gerufen 'Wo ist meine Tochter?'“, erinnert sich der Vater. Selbst dann sei nichts passiert. Erst vier Stunden nach dem Verschwinden des Kindes kam die erlösende Nachricht: Die Tochter wurde gefunden – und sie lebt.

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Leben der Familie ins Wanken geraten

Das Mädchen lebe, aber sie sei nicht mehr dieselbe, erzählt der Vater. „Sie ist schüchtern geworden, sie schläft seit dem Tag nicht mehr alleine und hat sich am ersten Schultag wie ein Baby benommen. Und sie will erst wieder in das Erlebnisbad, wenn sie so groß ist wie der Mann. Dann kann er ihr nichts mehr tun, sagt sie.“

Auch sein eigenes Leben sei ins Wanken geraten. Er werde psychologisch betreut, könne seither nicht mehr zur Arbeit gehen. Seinen Job als Postbote hat er nach zwölf Jahren verloren, und auch seine Frau erhält professionelle Hilfe. Die Familie ist durch das Verbrechen zutiefst traumatisiert.

Fall sorgte bundesweit für Entsetzen

Der angeklagte 31-Jährige hatte zuvor gestanden, das Mädchen aus dem Erlebnisbad gelockt und in einem Maisfeld sexuell missbraucht zu haben. Zu Details und offenen Fragen etwa zum Motiv will er sich im Laufe des Prozesses äußern.

Der Fall sorgte im Sommer 2025 bundesweit für Entsetzen: Das Mädchen war erst Stunden nach dem Verschwinden mehrere Kilometer entfernt entdeckt worden – verletzt und nur mit Bikini und Badeschlappen bekleidet. Dem Angeklagten wird unter anderem sexueller Missbrauch von Kindern, sexuelle Nötigung und versuchte gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Der Europa-Park, zu dem das Erlebnisbad Rulantica gehört, teilte auf Anfrage mit, man äußere sich nicht zu laufenden Gerichtsverfahren. Der Prozess wirft jedoch kritische Fragen zur Sicherheit in Freizeiteinrichtungen und zum Umgang mit Notfällen auf.

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