TV-Bericht enthüllt: Russland soll Berliner Mafia-Krieg steuern
Schüsse auf offener Straße, Handgranaten in Lokalen und Schutzgeldforderungen in sechsstelliger Höhe: Eine junge, extrem gewaltbereite Mafia-Gruppe namens „Daltons“ sorgt in Berlin für massive Unruhe. Das berichtet das rbb-Politikmagazin „Kontraste“ nach umfangreichen Recherchen. Besonders alarmierend: Der mutmaßliche Anführer soll sich in Russland aufhalten und von dort aus die kriminellen Aktivitäten steuern.
Systematische Einschüchterungen als Geschäftsmodell
Seit Monaten registrieren Polizei und Staatsanwaltschaft eine auffällige Häufung brutaler Angriffe. Rund 200 Ermittlungsverfahren mit Bezug zu den „Daltons“ und ähnlichen Gruppen laufen laut rbb allein in der Hauptstadt. Das Muster ist immer ähnlich: Geschäftsleute – vor allem aus dem türkisch-kurdischen Umfeld – werden unter Druck gesetzt. Wer nicht zahlt, muss mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen.
In Berlin wurde einem 36-Jährigen auf offener Straße siebenmal in die Beine geschossen. Eine Fahrschulkette wurde mehrfach attackiert, in Kreuzberg warfen Vermummte eine Handgranate in ein Lokal. Auch Supermärkte wie die „Eurogida“-Filiale in Berlin-Spandau wurden beschossen, nachdem zuvor 250.000 Euro Schutzgeld verlangt worden waren. Laut rbb folgt das Vorgehen einem klaren Muster: erst die Forderung, dann eine Gewalttat – anschließend neuer Druck.
Junge Täter und gezielte Anwerbung
Nach rbb-Recherchen rekrutieren die „Daltons“ gezielt junge Männer, häufig kurdische Asylbewerber. Ein Investigativjournalist schildert im Beitrag, wie die Banden die Enttäuschung und Perspektivlosigkeit mancher Neuankömmlinge ausnutzen. Sie versprächen Geld, Anerkennung und ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Ein verurteilter Schütze aus Berlin soll laut rbb als Minderjähriger in einem Flüchtlingsheim Kontakt zu der Gruppierung bekommen haben. Später wurde er wegen Schüssen auf Geschäfte zu einer Haftstrafe verurteilt. Die Recherche legt nahe, dass er nur ein ausführendes Mitglied in einem größeren Geflecht war.
Drahtzieher im Ausland: Russland-Verbindung
Die Spur der „Daltons“ endet allerdings nicht in Berlin. Laut „Kontraste“ soll sich der mutmaßliche Anführer Berat Can Gökdemir, genannt „Can Dalton“, in Russland aufhalten. In der Türkei drohen ihm wegen schwerer Straftaten, darunter Mord, hohe Haftstrafen. Eine Auslieferung sei bislang nicht erfolgt.
Im rbb-Beitrag meldete sich ein Mann, der sich als Sprecher der Gruppe ausgab. Er behauptete, Gökdemir befinde sich nicht in Haft, sondern lebe in einem „Safe House“ und könne weiterhin kommunizieren. Unabhängig überprüfen ließ sich diese Darstellung nicht.
Ein Sicherheitsexperte erklärte im Beitrag, es sei nicht ungewöhnlich, dass organisierte Kriminelle im Ausland Schutz finden – etwa im Gegenzug für Dienstleistungen wie Geldwäsche oder Schmuggel. Ob und in welchem Maß Russland Einfluss auf die Gruppe hat, bleibt offen. Klar ist nach den rbb-Recherchen: Die „Daltons“ agieren international – und die Berliner Behörden stehen vor einer neuen, aggressiven Form organisierter Kriminalität.
Machtvakuum nach Tod von „Kurden-Mehmet“
Auch der Name Mehmet K., in der Szene bekannt als „Kurden-Mehmet“, taucht in der Recherche auf. Er galt als eine Art ordnende Figur in der Berliner Unterwelt. Anfang Januar stirbt er an Krebs. Mit seinem Tod fehlt offenbar eine regulierende Kraft – und genau in dieses Machtvakuum stoßen Gruppen wie die „Daltons“.
Seine Beerdigung wurde zum Treffen der Szene. Ein Mann aus dem Umfeld brachte die Stimmung auf den Punkt: „Jetzt geht die Hölle los in Berlin. Jetzt, jeder will einen Namen machen. Ich denke, ab jetzt wird’s schlimmer, weil jetzt gibt’s Mehmet Abi nicht mehr, und der war dafür, dass alles hier seinen graden Weg hat.“
Behörden reagieren mit neuen Ermittlungsstrukturen
Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) sprach im rbb-Beitrag von systematischen Einschüchterungen. Auffällig ist laut „Kontraste“ auch die Außendarstellung der Gruppe: Anders als klassische Mafia-Strukturen inszenieren sich die Täter offen in sozialen Netzwerken. Gewalt wird nicht verborgen, sondern demonstriert.
Die Behörden reagierten mit eigenen Ermittlungsstrukturen – die Sorge: Hier etabliert sich eine neue Form organisierter Kriminalität, die von internationalen Verbindungen profitiert und besonders junge, perspektivlose Männer für ihre Zwecke instrumentalisiert.



