Antisemitismus in Sachsen: Mehr als 200 Straftaten drittes Jahr in Folge
Sachsen: Antisemitische Straftaten drittes Jahr über 200

Antisemitische Straftaten in Sachsen: Drittes Jahr in Folge über 200 Fälle

Der Hass auf Juden bleibt auch in Deutschland eine traurige Realität. In Sachsen hat die Zahl antisemitischer Straftaten im Jahr 2025 erneut die Marke von 200 überschritten – bereits das dritte Jahr in Folge. Dies geht aus Angaben der Linken-Politikerin Juliane Nagel hervor, die sich auf Antworten offizieller Stellen beruft.

222 registrierte Fälle – Dunkelziffer vermutlich höher

Im vergangenen Jahr wurden in Sachsen mindestens 222 antisemitische Straftaten verübt. Nagel weist jedoch darauf hin, dass dabei nur angezeigte Fälle erfasst sind. Durch mögliche Nachmeldungen könnte sich die tatsächliche Größenordnung noch verändern. Die Zahl liegt zwar unter den Werten der Vorjahre – 2023 waren es 275, 2024 dann 258 antisemitische Taten – doch die kontinuierlich hohe Fallzahl gibt Anlass zur Sorge.

Gewalttaten und Online-Hass im Fokus

„Laut der Polizei-Statistik wurden besonders häufig volksverhetzende Parolen und Bedrohungen registriert, und zwar sowohl auf der Straße als auch in Form von Online-Hasspostings“, erklärte Nagel. Dabei bleibt es nicht bei verbalen Angriffen: Verzeichnet sind auch drei Fälle gefährlicher Körperverletzung. Die meisten judenfeindlichen Taten wurden als rechtsmotiviert bewertet (191), oftmals zugleich als fremdenfeindliche Hasskriminalität eingestuft.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Großstädte als Brennpunkte

Besonders viele Fälle ereigneten sich in den sächsischen Großstädten: Leipzig verzeichnete 43 antisemitische Straftaten, gefolgt von Dresden mit 29 und Chemnitz mit 25 Fällen. „Das entspricht dem leider gewohnten Bild“, teilte Nagel mit. Neben den rechtsmotivierten Taten werden 15 Straftaten auf eine ausländische Ideologie zurückgeführt, sieben auf eine religiöse Ideologie – vor allem Islamismus – und vier auf einen linksmotivierten Hintergrund. Den Rest konnte man nicht eindeutig zuordnen.

Mangelnder Verfolgungsdruck kritisiert

„Antisemitismus ist und bleibt inakzeptabel, ganz egal, aus welcher Richtung er kommt. Einen 'ehrbaren‘ Antisemitismus gibt es nicht, ganz egal, wer ihn vertritt und wie er sich tarnt“, betonte die Landtagsabgeordnete aus Leipzig. Jeder Antisemitismus müsse geächtet werden, was einen entsprechenden Verfolgungsdruck voraussetze. Doch genau dieser fehle nach wie vor.

Nagel rechnete vor: „Meinen Anfragen zufolge gab es im gesamten Jahr 2025 in ganz Sachsen lediglich sieben Verurteilungen wegen antisemitischer Straftaten, die in allen Fällen mit Geldstrafen abgeschlossen wurden. Das ist ein verheerend schlechter Wert, kaum höher als im Vorjahr (5).“ Zum Vergleich: 2021 seien immerhin noch 26 Urteile gegen Judenhasser gefällt worden.

Die anhaltend hohe Zahl antisemitischer Straftaten in Sachsen unterstreicht die Notwendigkeit konsequenter Strafverfolgung und gesellschaftlicher Ächtung jeder Form von Judenhass.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration