Schusswaffenangriff an Schule in Kanada: Mindestens zehn Tote in Tumbler Ridge
Bei einem tragischen Schusswaffenangriff an einer weiterführenden Schule in der westkanadischen Provinz British Columbia sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden melden zudem 27 Verletzte, darunter zwei Personen mit lebensbedrohlichen Verletzungen, die per Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen wurden. Der Vorfall ereignete sich am Dienstag in der Stadt Tumbler Ridge, etwa 1000 Kilometer nördlich von Vancouver, und hat die kleine Gemeinde mit rund 2400 Einwohnern erschüttert.
Polizei entdeckt weitere Tote in nahegelegenem Haus
Nach den Schüssen an der Tumbler Ridge Secondary School fanden Ermittler in einem nahegelegenen Haus zwei weitere Leichen. Die Polizei geht davon aus, dass diese mit dem Vorfall an der Schule in Verbindung stehen. Insgesamt wurden sieben Tote innerhalb des Schulgebäudes entdeckt, darunter der mutmaßliche Täter, der vermutlich durch eine selbst zugefügte Verletzung starb. Ein weiteres Opfer erlag seinen Verletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus.
Polizeichef Ken Floyd erklärte, das Motiv für die Tat sei noch unklar. „Wir sind noch nicht in der Lage zu verstehen, warum oder was diese Tragödie möglicherweise motiviert haben könnte“, sagte er vor Reportern. Die Ermittlungen konzentrieren sich darauf, in welcher Beziehung die Opfer und der mutmaßliche Täter zueinander standen. Lokalmedien berichten, dass es sich bei dem Täter um eine Transperson handeln könnte, während andere Quellen von einem „Amokläufer in einem Kleid“ sprechen.
Regierungschef sagt Reise zur Sicherheitskonferenz ab
Kanadas Premierminister Mark Carney zeigte sich zutiefst erschüttert über den „schrecklichen Vorfall“ und sagte seine geplante Reise zur Münchner Sicherheitskonferenz ab. Ursprünglich sollte er am Mittwoch nach Deutschland reisen, um an der Konferenz teilzunehmen, und für Freitag war eine Rede zur Eröffnung erwartet worden. Sein Büro teilte mit, dass die Übersee-Reise vorerst verschoben wird.
In einer Erklärung auf X schrieb Carney: „Ich schließe mich den Kanadiern an, die heute mit jenen trauern, deren Leben unwiderruflich verändert wurde, und danke den Ersthelfern für ihren Mut und ihre Selbstlosigkeit, die ihr Leben riskierten, um ihre Mitbürger zu schützen.“ Er betonte, dass die Fähigkeit, in Krisen zusammenzustehen, das Beste an Kanada sei – „unsere Empathie, unsere Einigkeit und unser Mitgefühl füreinander“.
Gemeinde erhält umfangreiche Unterstützung
Die Bewohner von Tumbler Ridge wurden aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben, um sich in Sicherheit zu bringen. Der Schulbezirk Peace River South School District riegelte die betroffene Tumbler Ridge Secondary School sowie eine Grundschule ab und setzte Sicherheitsprotokolle in Kraft. Larry Neufeld, ein Abgeordneter im Parlament von British Columbia, appellierte an die Öffentlichkeit: „Wir verstehen, dass einige Leute auf der Suche nach ihren Angehörigen sind, aber bitte, bitte kehren Sie nach Hause zurück und bleiben Sie dort.“
Der Regierungschef von British Columbia, David Eby, erklärte: „Unsere Herzen sind heute Abend in Tumbler Ridge bei den Familien derer, die ihre Lieben verloren haben.“ Die Regierung werde in den kommenden Tagen sicherstellen, dass die Gemeinde alle erdenkliche Unterstützung erhalte, um mit dieser „unvorstellbaren Tragödie“ umzugehen.
Folgenreichster Amoklauf in Kanada seit 2020
Der Vorfall in Tumbler Ridge ist der folgenreichste Amoklauf in Kanada seit 2020, als in Nova Scotia ein Schütze 13 Menschen tötete und Brände legte, die weitere neun Menschen das Leben kosteten. Amokläufe an Schulen sind in Kanada selten, doch die Regierung hat nach früheren Schusswaffenvorfällen mit vielen Opfern verschärfte Maßnahmen für die Waffenkontrolle eingeführt, darunter ein erweitertes Verbot aller Waffen, die als Sturmgewehre eingestuft werden können.
Die Tumbler Ridge Secondary School wird auf der Website der Provinzregierung mit 175 Schülern von der siebten bis zur zwölften Klasse aufgeführt. Die Polizei und Rettungsdienste leisten weiterhin umfangreiche Unterstützung in der betroffenen Gemeinde, während die Ermittlungen zu den genauen Umständen der Tat andauern.



