Syrien-Rückkehrerin distanziert sich im Münchner Prozess vom Islamischen Staat
Vor dem Oberlandesgericht München hat sich eine 38-jährige Syrien-Rückkehrerin aus Oberfranken deutlich von der Terrororganisation Islamischer Staat distanziert. „Ich war maximal verblendet“, ließ die Angeklagte über ihre Verteidigerin erklären. Heute könne sie ihre damalige Radikalisierung nicht mehr nachvollziehen. Die gebürtige Bambergerin entschuldigte sich bei ihren Kindern, mit denen sie 2014 nach Syrien ausgereist war, um sich dem IS anzuschließen.
Vorwürfe der Generalstaatsanwaltschaft
Die Generalstaatsanwaltschaft wirft der konvertierten Muslimin Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vor. Zudem wird ihr vorgeworfen, ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht als Mutter verletzt zu haben. Die Anklage vertritt die Auffassung, dass die Frau ihre Kinder in ein Bürgerkriegsgebiet brachte und sie im Sinne der IS-Ideologie erzogen habe.
Lebensweg der Angeklagten
Ende September 2014 reiste die Frau aus Strullendorf im Landkreis Bamberg mit ihren drei Kindern über die Türkei nach Syrien. Ihr erster Ehemann kämpfte dort für den IS und starb 2015 bei einem Selbstmordanschlag. Die Angeklagte heiratete einige Monate später erneut und bekam 2017 einen weiteren Sohn. Ihr zweiter Ehemann starb 2018 bei einem Bombenangriff. Als Alleinerziehende mit vier Kindern ging sie im Februar 2019 in ein Flüchtlingscamp und wurde nach weiteren Stationen im Mai 2025 nach Deutschland ausgeflogen, wo sie kurz nach der Einreise festgenommen wurde.
Distanzierung und Reue
Die 38-Jährige widerspricht den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Sie sei in den „Sog der Propaganda“ unter den schwierigen Verhältnissen in Syrien geraten. Damals sei sie naiv, leichtgläubig, manipulierbar und leichtsinnig gewesen. Heute schäme sie sich jeden Tag, auch für die Aggressivität des IS. „Ich finde keinen Beweis in meiner Religion, dass dies erlaubt ist“, erklärte die gläubige Muslimin. Sie betonte, dass der Islam durch die IS-Ideologie in ein schlechtes Licht gerückt werde.
Aktuelle Situation und Zukunftshoffnungen
Die Angeklagte befindet sich in Untersuchungshaft und nimmt an einem Deradikalisierungsprogramm teil. Sie bedankte sich bei den deutschen Behörden, darunter dem Auswärtigen Amt und dem Jugendamt. Sie erhalte die Chance auf ein neues Leben und hoffe auf einen Neuanfang. Ihr Wunsch sei es, in Frieden und Freiheit mit ihrer Familie zu leben und alles wiedergutzumachen.



