Kriminalstatistik Thüringen: Rückgang politischer Straftaten, Anstieg bei tatverdächtigen Kindern
Die Polizeiliche Kriminalstatistik für Thüringen zeigt für das Jahr 2025 einen deutlichen Rückgang bei politisch motivierten Straftaten, während gleichzeitig die Zahl tatverdächtiger Kinder angestiegen ist. Innenminister Georg Maier (SPD) präsentierte die aktuellen Zahlen und verwies auf verschiedene Einflussfaktoren.
Wahljahr-Effekt und politische Kriminalität
Im Vergleich zum sogenannten Superwahljahr 2024 mit Kommunal-, Europa- und Landtagswahlen registrierte die Polizei im Jahr 2025 insgesamt 1.029 Fälle weniger an politisch motivierter Kriminalität. Die Gesamtzahl sank von 5.234 auf 4.205 Straftaten. „Wir haben letztes Jahr kein Wahljahr gehabt“, erklärte Innenminister Maier bei der Vorstellung der Statistik. „Entsprechend gab es weniger Gelegenheiten für Sachbeschädigungen. Wenn keine Wahlplakate vorhanden sind, können sie nicht beschädigt werden.“
Der SPD-Politiker betonte jedoch, dass politisch motivierte Kriminalität dennoch nicht zu vernachlässigen sei. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich stieg von 41,9 Prozent im Jahr 2024 auf 43,7 Prozent im Jahr 2025.
Rechtsextremismus dominiert weiterhin
In allen Phänomenbereichen wurden weniger politisch motivierte Straftaten erfasst, wobei der Rechtsextremismus nach wie vor überwiegt. „Wenn unsere Demokratie unter Druck ist, ist sie vor allem von rechts unter Druck“, hob Maier hervor. Gleichzeitig wolle er Kriminalität von links nicht relativieren.
Die konkreten Zahlen zeigen:
- Rechts motivierte Straftaten: 2.414 Fälle (2024: 2.839)
- Links motivierte Straftaten: 960 Fälle (2024: 759)
Bei einer Großzahl der Fälle handelt es sich um sogenannte Propagandadelikte, die von 1.785 im Jahr 2024 auf 1.549 im Jahr 2025 zurückgingen. Dazu zählt etwa die Verbreitung oder das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen. Der Großteil dieser Delikte (1.400 Fälle) wurde einem rechten Hintergrund zugeordnet.
Gewaltdelikte und Tatverdächtige
Erfasst wurden 127 rechts motivierte Gewaltdelikte und 37 Fälle mit links motiviertem Hintergrund. Bemerkenswert ist die Entwicklung bei den Tatverdächtigen:
- Kinder: Anstieg von 111 auf 130 Tatverdächtige
- Jugendliche: Rückgang von 471 auf 353 Tatverdächtige
- Heranwachsende: Leichter Rückgang von 241 auf 229 Tatverdächtige
- Erwachsene: Deutlicher Rückgang von 1.879 auf 1.527 Tatverdächtige
Insgesamt registrierte die Polizei 2.239 Tatverdächtige im Bereich politisch motivierter Kriminalität.
Social Media als Einflussfaktor bei Kindern
Der Anstieg bei der Zahl tatverdächtiger Kinder in diesem Bereich sei „nicht so signifikant, als dass von einem expliziten Problem gesprochen werden könne“, sagte Maier. Gleichzeitig räumte er ein: „Radikalisierung setzt immer früher ein.“ Als Grund dafür sieht er vor allem den Konsum entsprechender Inhalte auf digitalen Plattformen.
Der Innenminister sprach sich dafür aus, Einschränkungen für besonders junge Nutzer zu prüfen, um dem Einfluss von Social Media auf Kinder und Jugendliche entgegenzuwirken.
Gesamtentwicklung der Kriminalität in Thüringen
Insgesamt ging auch die Zahl der erfassten Straftaten in Thüringen 2025 im Vergleich zum Vorjahr zurück. Die Polizei registrierte 145.167 Fälle und damit rund 11.000 weniger als 2024. Die Aufklärungsquote blieb mit 61,2 Prozent auf dem Niveau von 2024, als sie 60,9 Prozent betrug.
Die Entwicklung zeigt somit eine gemischte Bilanz: Während die Gesamtkriminalität und die politisch motivierten Straftaten rückläufig sind, gibt es bei den jüngsten Tatverdächtigen einen besorgniserregenden Trend, den die Landesregierung genau beobachtet.



