Tumulte nach Urteil im Totraser-Prozess: Familien gehen aufeinander los
Tumulte nach Urteil im Totraser-Prozess

Tumulte nach Urteil im Totraser-Prozess: Familien gehen aufeinander los

Nach der Urteilsverkündung im Ludwigsburger Totraser-Prozess kam es am Dienstag zu turbulenten Szenen im Stuttgarter Gerichtssaal. Die Emotionen kochten hoch, als sich Angehörige der Opfer und der Angeklagten nach der Verkündung der Urteile handgreiflich wurden.

Urteil löst emotionale Eskalation aus

Der Vorsitzende Richter hatte zuvor Gürkan U. (32) wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein Bruder Ismail U. (36) erhielt eine 13-jährige Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes. Ein weiterer Cousin, Kerim U. (26), wurde zu einem Jahr auf Bewährung und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Die Richter folgten damit der Forderung der Staatsanwaltschaft, den Fall als Mord zu bewerten.

Die beiden Hauptangeklagten waren vor einem Jahr mit bis zu 150 km/h durch die Ludwigsburger Innenstadt gerast – bei einem verbotenen Autorennen, das die beiden jungen Frauen Selin K. (22) und Merve K. (23) das Leben kostete. Der Richter begründete sein Urteil mit deutlichen Worten: „Die Überheblichkeit, die sie an den Tag gelegt haben, müssen sie büßen.“

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Handgreiflichkeiten im Gerichtssaal

Gegen 16:37 Uhr, kurz nach der Urteilsverkündung, kam es zu den ersten Auseinandersetzungen. Laut Benan Ergün (25), einem Cousin der verstorbenen Selin, soll das Wort „Hure“ gegen Selins Schwester Aylin gefallen sein – ausgesprochen von der Mutter der Angeklagten. Plötzlich brach Geschrei aus.

Die Situation eskalierte schnell:

  • Justizbeamte schubsten Menschen zur Seite und rannten zurück in den Saal
  • Die beteiligten Frauen gingen aggressiv aufeinander los
  • Aylin, die Schwester der verstorbenen Selin, wurde in die Rangelei hineingezogen
  • Die Frauen zogen sich gegenseitig an den Haaren

Polizei muss eingreifen

Erst als Justizbeamte die Frauen trennten, beruhigte sich die Situation vorübergehend. Beamte hätten Aylin gegen die Wand gedrückt und dort fixiert, so Benan Ergün. Bei der Rangelei erlitt sie einen Schlag gegen den Kopf und blutete am Unterkinn.

Gegen 16:48 Uhr durfte Aylin das Gerichtsgebäude verlassen – gestützt auf ihren Cousin. Sie setzte sich auf eine Bank, umringt von ihren Angehörigen, und versuchte, durchzuatmen.

Die Polizei wurde mit 30 Beamten zum Gerichtsgebäude gerufen. Ein Polizeisprecher erklärte: „Nach dem Vorfall im Gerichtssaal hat man bei uns wegen der hoch emotionalen Lage zusätzliche Kräfte angefordert.“ Justizbeamte bildeten eine Kette und räumten den Bereich vor dem Gebäude.

Folgen der Auseinandersetzung

Ursprünglich hatte Aylin geplant, nach der Urteilsverkündung zum Friedhof zu ihrer Schwester zu fahren. Stattdessen musste sie in eine Klinik, um ihre blutende Wunde am Unterkinn untersuchen zu lassen. „Sie wird definitiv Strafanzeige erstatten“, so Benan Ergün.

Das Urteil im Totraser-Prozess ist noch nicht rechtskräftig. Die turbulenten Szenen nach der Verkündung zeigen jedoch, wie emotional aufgeladen der Fall für alle Beteiligten bleibt – mehr als ein Jahr nach dem tödlichen Autorennen in Ludwigsburg.

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