Erneuter Vergewaltigungsvorwurf in kommunalem Jugendzentrum erschüttert Niedersachsen
Eine Mutter aus der Gemeinde bei Zeven in Niedersachsen hat auf dem Handy ihrer 14-jährigen Tochter ein verstörendes Video entdeckt, das eine mutmaßliche Vergewaltigung im örtlichen Jugendzentrum zeigt. Der Vorfall erinnert schmerzhaft an einen ähnlichen Fall in Berlin-Neukölln und wirft erneut Fragen nach dem Schutz von Jugendlichen in kommunalen Einrichtungen auf.
Das Video und das späte Geständnis
Die Mutter, die namentlich nicht genannt werden möchte, stieß zunächst zufällig auf das Video, das von hinten gefilmt wurde und ein Mädchen zeigt, das auf dem Schoß eines Jungen festgehalten wird. Ihre Tochter bestritt zunächst vehement, dass sie die Person auf der Aufnahme sei. „Keine Ahnung! Das bin ich nicht!!“, schrie das Mädchen laut Aussage der Mutter.
Erst einige Tage später gestand die 14-Jährige per WhatsApp-Nachricht die schreckliche Wahrheit: „Dann haben die das alle bei mir gemacht und auch extra die Tür abgeschlossen und Musik angemacht, damit man nichts hört.“ Drei Jugendliche im Alter von 15, 16 und 18 Jahren sollen sich an dem Mädchen vergangen haben.
Versagen der Aufsicht und Schweigen der Verantwortlichen
Besonders erschütternd ist der Umgang der Verantwortlichen mit dem Vorfall. Der Betreuer des Jugendzentrums, der nebenbei als Diakon bei der Kirche arbeitet, soll trotz lauter Jugendlicher vor der Tür nichts mitbekommen haben. Als das Opfer ihm später einen Schwangerschaftstest zeigte, unternahm er nichts – weder informierte er die Mutter der Minderjährigen noch die Polizei. Mit der Begründung der Schweigepflicht weigerte er sich, tätig zu werden, obwohl Experten zufolge diese bei Straftaten nicht greift.
Die Mutter berichtet von einem systematischen Vertuschungsversuch: „Wir kämpfen gegen Windmühlen. Die Gemeinde, die Kirche, alle schweigen es tot, als sei nichts passiert. Jeder macht so weiter, als wenn nichts passiert ist.“ Selbst der Bürgermeister der Gemeinde soll informiert gewesen sein, dass sich Jungen im Jugendzentrum verabredeten, um „Nummern zu schieben“.
Die Folgen für das Opfer und die Ermittlungen
Das 14-jährige Mädchen, das laut ihrer Mutter noch Jungfrau war und noch nie einen Freund hatte, leidet schwer unter den Folgen der Tat. „Mama, ich hatte einfach nur Angst“, erklärte sie ihr Schweigen während der Gewalttat. Inzwischen geht sie kaum noch aus dem Haus, da sich die Geschichte im ganzen Dorf und in der Schule herumgesprochen hat.
Die Polizei hat inzwischen vorläufige Ermittlungsergebnisse an die Staatsanwaltschaft in Stade übermittelt. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass das Verfahren höchste Priorität hat, ein Ergebnis wird jedoch frühestens in zwei Monaten erwartet. Die Schülerin hat für die Ermittler sieben DIN-A4-Seiten mit ihren Aussagen verfasst.
Die mutmaßlichen Täter und ihre Motive
Der vermeintliche Haupttäter, ein 16-jähriger Holländer, soll das Opfer über Snapchat zu seinen Kumpels ins Jugendzentrum gelockt haben. Da er die gegenüberliegende Berufsschule besucht, begegnet die Schülerin ihm häufig. Weitere Verdächtige sind ein 18-jähriger Iraner, der bereits eine dicke Akte beim Jugendamt haben soll, und ein 15-jähriger Syrer, der behauptet, zur Teilnahme gezwungen worden zu sein.
Die Mutter formuliert klar ihre Forderungen: „Wir möchten einfach, dass die mutmaßlichen Täter ihre gerechte Strafe erhalten und vor allem möchten wir, dass unsere Tochter mit erhobenem Kopf durch die Gemeinde gehen kann, ohne Schamgefühl oder Ähnlichem.“
Symbolische Maßnahmen und mangelnde Transparenz
Als einzige Konsequenz aus dem Vorfall wurden im betroffenen Jugendzentrum mittlerweile die Türen des Tatort-Zimmers ausgehängt – eine Maßnahme, die der Mutter als reine Symbolpolitik erscheint. Diese bescheidene Reaktion erinnert an den Umgang mit dem Berliner Fall, wo über Wochen hinweg ebenfalls kaum Transparenz hergestellt wurde.
Die Familie fühlt sich im Stich gelassen: „Hilfe habe ich von keiner Seite bekommen“, klagt die Mutter. Ihr Wunsch ist es, anderen Betroffenen Mut zu machen und deutlich zu machen: „DU hast keine Schuld.“ Die traumatischen Erlebnisse werden die Familie nach eigenen Worten ein Leben lang begleiten.



