Verkehrsexperte Armin Pey geht in Ruhestand: Sein System machte Unfälle bis auf Ortsteile sichtbar
Verkehrsexperte Armin Pey geht in Ruhestand: Unfallsystem im Kreis

Der stille Meister der Verkehrssicherheit verabschiedet sich

Ein stiller Meister der Verkehrssicherheit verabschiedet sich in den wohlverdienten Ruhestand. Polizeihauptkommissar Armin Pey, der 62-jährige Experte für Unfallgeschehen bei der Ludwigsluster Polizeiinspektion, hinterlässt im Landkreis Ludwigslust-Parchim ein ausgefeiltes System, das Verkehrsunfälle bis auf einzelne Ortsteile genau sichtbar macht. Seine Arbeit hat über Jahre hinweg maßgeblich zur Sicherheit auf den Straßen der Region beigetragen.

Der Mann der wichtigen Zahlen

Äußerlich wirkt Armin Pey stets als die Ruhe in Person, doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein leidenschaftlicher Fachmann für Verkehrsstatistik. Der Prignitzer mit der markanten Brille und dem charakteristischen Spitzbärtchen ist seit Jahren der erste Ansprechpartner, wenn es um Unfallzahlen im Landkreis geht. „Ihn rufen alle an, die etwas zu dem Thema wissen wollen – und das sind viele, nicht nur von der Polizei“, berichten Kollegen.

Ob Häufungsstellen, gefährliche Kreuzungen, Wildunfälle oder Stellen, an denen Verkehrsüberwachung besonders sinnvoll erscheint: Armin Pey verfügt über das umfassende Wissen. Über seinen Tisch gehen wirklich alle Unfälle, die im Kreis Ludwigslust-Parchim passieren. Seine akribische Aufarbeitung und Auswertung der Daten hat er so perfektioniert, dass zahlreiche Dienststellen im ganzen Land sich davon inspirieren ließen.

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Von der Steckkarte zum digitalen System

Die Karriere des leidenschaftlichen Motorradfahrers begann 1983 ganz klassisch als Offizierschüler der Deutschen Volkspolizei. Nach verschiedenen Stationen – unter anderem als Ausbilder für Wasserwerfer und bei Einsätzen während der Castor-Transporte – fand er schließlich seine berufliche Heimat bei der Polizeiinspektion Ludwigslust.

Dort traf er auf Kollegen Ralf-Peter Hirsch, der bereits ein Faible für Unfallstatistik besaß. Pey lernte bei ihm und entwickelte das System kontinuierlich weiter. „Erst arbeiteten wir mit den berühmten Steckkarten, auf denen jeder Unfall mit einer Nadel markiert wurde“, erinnert sich Pey. „Später half der ‚Kollege‘ Computer. Heute bräuchte ich für den gesamten Landkreis einen ganzen Saal voller Steckkarten – das wäre viel zu unübersichtlich.“

Praktische Auswirkungen für mehr Sicherheit

Die umfangreiche Statistik war dabei niemals bloßer Selbstzweck oder reine Aktenfüllerei. Als Mitglied der Unfallkommission hatte Armin Pey direkten Einfluss auf praktische Maßnahmen zur Verkehrssicherheit. Zahlreiche Hinweisschilder, Warnzeichen, Umbauten und entschärfte Kreuzungen im Landkreis gehen auf sein Konto.

Sein ausgeklügeltes System ermöglicht es heute, bis auf Gemeinde- oder Ortsteilebene genau zu identifizieren, wo Unfallschwerpunkte liegen. Besonders Wildunfälle, die aktuell etwa 40 Prozent aller Unfälle im Kreis ausmachen, stellten dabei eine besondere Herausforderung dar.

Persönliche Einsichten und Ratschläge

Die intensive Auseinandersetzung mit Unfallursachen hat auch Armin Peys eigenes Fahrverhalten verändert. „Seitdem ich hier arbeite, hat sich meine Fahrweise deutlich geändert“, gesteht der erfahrene Polizist. „Alle Unfälle gehen über meinen Tisch. Wenn man sieht, auf welch banale Art und Weise es einen erwischen kann, wird man automatisch ruhiger und defensiver.“

Sein Rat an alle Verkehrsteilnehmer ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: „Wenn wir alle auf den Straßen ein bisschen defensiver fahren würden und mehr Rücksicht nähmen, dann würde sich schon viel vermeiden lassen. Dann hätten wir wohl nur noch halb so viele Unfälle.“

Ein gut vorbereiteter Abschied

Angst vor dem Ruhestand hat der fünffache Familienvater nicht. „Ich habe genug Hobbys und Aufgaben“, verrät er. Seine letzten Tage im Dienst will er nutzen, um seine Nachfolgerin so gründlich wie möglich in den Job einzuweisen, den er stets mit Begeisterung ausgeübt hat.

Armin Pey hinterlässt nicht nur eine Lücke in der Ludwigsluster Polizeiinspektion, sondern vor allem ein wertvolles Erbe: Ein System, das weiterhin dafür sorgen wird, dass die Straßen im Landkreis Ludwigslust-Parchim sicher bleiben. Sein stiller, aber äußerst effektiver Beitrag zur Verkehrssicherheit wird noch lange nachwirken.

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