In Südbrandenburg versetzen organisierte Viehdiebe die Landwirte in Angst und Schrecken. Innerhalb weniger Wochen verschwanden dutzende Rinder von Weiden, insgesamt rund 150 Tiere. Die Täter gehen offenbar professionell vor, nutzen große Viehtransporter und verfügen über Fachkenntnisse im Umgang mit Rindern. Betroffen sind wertvolle Zuchtrinder, der wirtschaftliche Schaden liegt im sechsstelligen Eurobereich.
Landesregierung reagiert
Agrarministerin Hanka Mittelstädt (SPD) und Innenminister Jan Redmann (CDU) wollen sich vor Ort ein Bild machen. Sie reisen am Freitag zu einer betroffenen Agrargenossenschaft in Herzberg im Elbe-Elster-Kreis. „Für die Tierhaltung in Brandenburg ist das ein schwerer Schlag, der viele verunsichert“, sagte Mittelstädt. „Solche kriminellen Machenschaften müssen schnell aufgedeckt werden.“ Die Polizei prüft Zusammenhänge zwischen den Fällen und wertet Spuren wie Reifenabdrücke aus. Auch mit der polnischen Polizei gibt es einen Austausch.
Verdacht auf Schlachtung im Ausland
Landesbauernpräsident Henrik Wendorff vermutet, dass die Tiere illegal im Ausland geschlachtet werden. „Da muss man davon ausgehen, dass eine Truppe unterwegs ist, die das professionell macht.“ Jedes Rind trägt eine Ohrmarke und ist in einer Datenbank erfasst, daher sei eine legale Verwertung in Deutschland nahezu unmöglich. Die Spur könnte außerhalb der EU enden.
Ein betroffener Landwirt aus Grano im Spree-Neiße-Kreis berichtete von 31 gestohlenen Zuchtrindern. „Das ist ein absoluter Schock. Es waren richtig hochwertige Zuchttiere.“ Die Tiere seien über Nacht mit einem Lkw abtransportiert worden. Bereits zuvor waren in Raddusch 48 Rinder (Wert: 75.000 Euro) und im Elbe-Elster-Kreis 70 Rinder (Wert: 50.000 Euro) gestohlen worden.
Appell an Anwohner
Der Bauernverband rät den Betrieben zu verstärkten Kontrollgängen und technischen Überwachungsmöglichkeiten. Anwohner werden gebeten, verdächtige Beobachtungen wie unbekannte Transportfahrzeuge oder unruhiges Verhalten von Viehherden zu melden. Hilfreich sind Angaben zu Fahrzeugtyp, Kennzeichen, Zeitpunkt und Personenbeschreibungen. Die Polizei hofft auf Mithilfe aus der Bevölkerung, um die Täter zu fassen.



